„Solo: A Star Wars Story“ – Han Solos überflüssiger Einzelfilm!

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Es ist unfair, einen Film abzustempeln, nur weil die Presse ununterbrochen von der chaotischen Produktion berichtet hat. Davon, dass mit Phil Lord und Chris Miller erneut zwei talentierte Nachwuchsregisseure die Erwartungen von Lucasfilm und Disney nicht erfüllten und mit Ron Howard durch einen Routine-Regisseur ersetzt wurden. Davon, dass Alden Ehrenreich Unterstützung von Schauspielcoaches brauchte, um Harrison Ford besser zu imitieren. Von umfangreichen Nachdrehs und einer kompletten Neuausrichtung des Films. Das alles muss aber nicht bedeuten, dass das Ergebnis schlecht ist, was aber offensichtlich zur Grundannahme sogar bei vielen „Star Wars“-Fans geworden war, sodass der Film weit hinter seinen Erwartungen zurückblieb und gerade der erste richtige „Star Wars“-Flop zu werden scheint. Auch ich habe lange gewartet, den Film überhaupt zu sehen und musste trotz meiner letzten Hoffnung leider feststellen, dass er tatsächlich nicht gut ist und man einem so beliebten Charakter wie Han Solo mit einer Backgroundstory sogar eher schaden kann als ihn interessanter zu machen.

Inhalt

Ein gutes Jahrzehnt vor dem Zusammentreffen mit Luke und Leia stolpert Han Solo (Alden Ehrenreich) von einem Misserfolg zum nächsten. Ihm gelingt zwar die Flucht von seinem dreckigen Heimatplaneten Corellia, doch er muss seine große Liebe Qi’Ra (Emilia Clarke) zurücklassen. Auch der Besuch der Flugakademie des Imperiums endet für den Sturkopf nicht erfolgreich, weshalb er sich mitten in der Schlacht lieber an den Gauner Tobias Beckett (Woody Harrelson) und seine Freundin Val (Thandie Newton) hängt, die mit einem gestohlenen imperialen Schiff einen Überfall für den Gangsterboss Dryden Vos (Paul Bettany) durchführen wollen. Doch vorher rettet Han noch einen gefangenen Wookie namens Chewbacca (Joonas Suotamo), der sich dem Trupp anschließt.

Review

Ich weiß bei meiner ganzen Enttäuschung gar nicht, wo ich anfangen soll. Grundsätzlich ist „Solo“ vielleicht nicht wirklich schlecht, funktioniert auch als Gaunerfilm im Weltall recht solide und hat auch seine Momente, aber er fühlt sich einfach nicht wie ein „Star Wars“-Film an. Während des ganzen Films ist es mir nicht gelungen, in die Welt einzutauchen und sie als wirklichen Bestandteil des „Star Wars“-Universums zu sehen. Noch viel schlimmer, jedes Mal, wenn der Film auf plumpe Art versucht, das geringe Wissen über Han Solo aus den „Star Wars“-Filmen mit Erklärungen zu versehen, will man am liebsten die Zeit zurückdrehen, als man noch nicht wusste, dass Han Solo seinen Nachnamen beim Einschreiben beim Imperium bekam, woher er seinen Blaster hat oder wie er den Kessel-Flug in weniger als 12 Parsec mit dem Millenium Falken machte. Alles wirkt so künstlich, wenig durchdacht und auch wenig befriedigend. Han Solo ist für das Imperium in die Schlacht gezogen? Auch das ist jetzt kein Pluspunkt im Lebenslauf. Jetzt könnte man hoffen, dass das „ehrliche Spiel“ mit Lando Calrissian, bei dem Solo das wohl bekannteste Raumschiff neben der Enterprise gewann, ein toller Moment des Films wäre. Auch hier weit gefehlt. Donald Glover ist als Lando zwar einer der Lichtblicke des Films, aber wie er sein Schiff verliert, überzeugt ebenfalls nicht durch besondere Originalität. Zudem sollten die beiden in einer Fortsetzung noch mal sowas wie Freundschaft aufbauen, denn so, wie die beiden hier auseinandergehen und zusammenarbeiten, hätte ich an Solos Stelle in „Das Imperium schlägt zurück“ sicher nicht an dessen Tür geklopft. Das Zusammentreffen mit Chewbacca ist immerhin einigermaßen originell gelungen, holpert aber irgendwie auch.

Womit wir generell bei den Darstellern wären. Alden Ehrenreich versucht in der Hauptrolle so sehr Harrison Ford zu kopieren, dass einem ganz deutlich wird, dass er es eben nicht ist. Gleichzeitig verpasst er so die Chance, dem Charakter seinen eigenen Stempel aufzudrücken. „Game of Thrones“-Star Emilia Clarke schafft es ebenfalls nicht, mysteriös genug rüber zu kommen, um tatsächlich interessant zu werden. Woody Harrelson bleibt trotz gewohnt guter Leistung hinter seinen Möglichkeiten zurück, da das Drehbuch ihn zu sehr reguliert und auch Thandie Newton spielt sich einem nicht unbedingt ins Gedächtnis. Paul Bettany darf als fieser Gangsterboss immerhin ein wenig performen, hat aber nicht genug Screentime, um wirklich was zu reißen. So ist es in erster Linie Donald Glover als Lando, der eine akzeptable Variante des damals von Billy Dee Williams gespielten Gauners abgibt. Ein paar Momente hat auch der neue Roboter L3-37, endlich eine weibliche Droidin, die sich auch gleich mal mit ein paar guten Sprüchen gegen die Unterdrückung von Frauen und Robotern einsetzt und mit anderen Frauen ganz entspannt über Männer und Liebe debattieren kann.

Doch obwohl es hier immer wieder Anspielungen und Auftritte von Elementen aus den anderen „Star Wars“-Filmen gibt, will sich der Film einfach nicht richtig anfühlen. Man merkt hier so deutlich wie nie zuvor, dass Disney das Phänomen „Star Wars“ wohl doch nicht verstanden hat. Schon in „Episode VII“ enttäuschte man die Fans mit einer sicheren Nummer, die statt neuer Ideen nur als solide gedachte Wiederholungen und geplanten Fanservice beinhaltete. Ausgerechnet die erste „Star Wars“-Story „Rogue One“ erwies sich als der beste Film des Franchise unter Disney, weil er sich absolut ins Universum passend und doch erfrischend anders anfühlte. Mit „Episode VIII“ riskierte man dann zu viel, wollte mit vielen nicht zu erwartenden Wendungen überraschen und vergraulte noch mehr Fans. Um die Gelddruckmaschine trotzdem weiter laufen zu lassen, konnte man bei „Solo“ nicht mal das obligatorische Jahr abwarten und so schickte man mit dem Film nicht mal ein halbes Jahr später schon wieder einen Film aus dem Franchise auf die große Leinwand, obwohl Ron Howard und sein Team gerne noch mehr Zeit für die Fertigstellung gehabt hätte.

Ob ihm diese Zeit geholfen hätte, „Solo“ zu einem wirklichen Highlight zu machen, wage ich dennoch zu bezweifeln. Han Solo eine Vergangenheit zu verpassen, ist eben keine gute Idee. Der Ansatz, hier mal einen Gaunerfilm im „Star Wars“-Universum zu etablieren, ist vielleicht noch der beste Schachzug gewesen und vielleicht hätte das in der von Lord und Miller deutlich amüsanter und improvisierter angelegten Version auch funktioniert, aber so ist der Film eben nicht anders genug, um zu überraschen und nicht nah genug dran, um „Star Wars“-Fans wirklich zu begeistern.

Ob Disneys Reaktion, gleich alle „Star Wars“-Stories zu canceln, nun der richtige Schritt ist, kann auch wieder bezweifelt werden. Aber der Denkzettel war bitter nötig. Wer mit einem Franchise, das für viele Fans schon einer Religion gleichkommt, nur zum Geldverdienen herumspielt, der wird das Geld vielleicht bekommen, aber sicher keine umfassende Anerkennung. So ging es schließlich auch schon George Lucas selber mit seinen nicht unbedingt beliebten Prequels. Wenn es aber soweit ist, dass selbst eingefleischte „Star Wars“-Fans so enttäuscht und gesättigt sind, dass sie einem Film wie „Solo“ nicht mal eine Chance geben, hat Disney offenbar wirklich einen Fehler gemacht. Doch man kann sich angesichts der aktuellen Entwicklungen wohl sicher sein, dass man dort leider nicht die richtigen Schlüsse zieht, sonst stünde statt dem gecancelten „Obi-Wan Kenobi“-Film wohl eher die geplante neue Trilogie von Rian Johnson auf dem Index.

Vielleicht hätte ein „Solo 2“ aus dem Film nachträglich noch eine runde Sache machen können, wirklich abgeschlossen hat man die Handlung wohl bewusst nicht, aber nach diesem Misserfolg wird man auf einer Fortsetzung wohl derzeit nicht warten müssen.

Fazit

„Solo“ entpuppt sich leider als einer der schlechtesten „Star Wars“-Filme überhaupt, was nicht nur der chaotischen Produktion geschuldet ist. Aber wenn der Satz „Ich glaube nicht, dass ich den überhaupt im Kino sehen werde“ so oft unter den Fans des Weltraum-Franchise zu hören ist wie hier, dann ist da wohl tatsächlich ganz schön was in die Hose gegangen.

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