Kurz kritisiert 21: Von Attentätern, Haien und Spielern

Und wieder kommen hier ein paar Kurzkritiken von Filmen aus den letzten Monaten, die ich nicht unerwähnt lassen möchte. Dieses Mal sind das „The 15:17 to Paris“, „Aus dem Nichts“, „Deep Blue Sea 2“, „Early Man“, „Jugend ohne Gott“, „Eine nutzlose und dumme Geste“, „A Ghost Story“ und „Molly’s Game“.

The 15:17 to Paris (USA 2018)

Nach „Sully“ widmet sich Clint Eastwood in seinem neuen Film wieder „ganz normalen Helden“, dieses Mal den jungen Amerikanern, die im August 2015 in einem Zug Richtung Paris einen Attentäter überwältigten. Da diese Heldentat selber nur wenige Minuten dauerte und im Film auch nicht mehr Zeit einnimmt, widmet sich Eastwood ausgiebig der Kindheit und Freundschaft der Männer. Die Botschaft, dass es sich hier um ganz normale Menschen mit Problemen handelt, kommt rüber, trotzdem erschließt sich einem der Film nicht so richtig. Interessant ist allerdings die Tatsache, dass die tatsächlichen Helden sich in dem Film selber spielen. Von den Filmen Eastwoods muss man diesen aber nicht unbedingt gesehen haben.

Aus dem Nichts (D/F 2017)

Dass Diane Krüger sich mal als ernst zu nehmende Schauspielerin entpuppt, hätte ich nicht mehr erwartet, aber in diesem Drama von Fatih Akin über Nazis, Fremdenhass und Rache kann sie als Witwe, die den gewaltsamen Tod ihres Mannes und ihres Sohnes verarbeiten muss, wirklich überzeugen, auch wenn sie selber nicht unbedingt ein Sympathieträger ist. Die NSU-Thematik steht zwar weniger im Mittelpunkt, als ich erwartet habe, aber die emotionale Handlung und die guten Schauspieler machen den Film durchaus sehenswert. Zudem bietet der Film viele interessante Ansätze, sich selber zu fragen, zu was man bereit wäre und was richtig und falsch ist.

Deep Blue Sea 2 (USA 2018)

Der erste Teil war schon kein Hit, aber er hatte immerhin seinen Unterhaltungswert. Und auch wenn sich Hai-Horrorfilme gerade wieder einer gewissen Beliebtheit erfreuen, ist diese fast 20 Jahre spätere Fortsetzung eine absolute Frechheit. Schauspielerische und inhaltliche Abgründe werden hier mit schlechten Effekten kombiniert. Und wer glaubt, dass hier große Haie lecker Menschen futtern, auch der wird entäuscht. Die Gefahr sind hier seltsame Mini-Haie, die eher wie Piranhas wirken. Da hilft auch der viel zu enge Taucheranzug der Hauptdarstellerin nicht, dieses Sequel ist ein einziges Desaster, das nicht mal „The Asylum“ schlechter hätte inszenieren können.

Early Man (GB/USA/F 2017)

Ich hatte von den „Wallace & Gromit“-Machern eigentlich einen kurzweiligen Animationsfilm mit Knet-Neandertalern erwartet, aber sicher nicht Fußball als zentrales Thema. Wie die Steinzeitler gegen die Angeber aus der Bronzezeit kicken, hat zwar einige amüsante Momente, ist aber wohl einer der schwächsten Filme von Nick Park. Ob Fußballfans sich mehr für den Film begeistern können, kann ich nicht beurteilen, aber so hat der Film einfach nicht genug verrückte Einfälle oder witzige Situationskomik wie die Aardman-Klassiker „Wallace & Gromit“, „Chicken Run“ oder „Shaun das Schaf“.

Jugend ohne Gott (D 2017)

Die Buchvorlage über einen Lehrer und seine Schüler in einem faschistischen System ist fast 100 Jahre alt, somit hat man sich für diese Neuauflage, die die Handlung in eine nicht allzu ferne Zukunft transferiert hat, sicher einige Freiheiten genommen. Trotzdem bietet der Film einige interessante Denkansätze, auch wenn Charaktere und Handlung ein wenig eintönig daher kommen. Anschauen kann man sich diese Dystopie trotzdem, denn die Inhalte sind brandaktuell und die verschachtelte Handlung, die nacheinander aus verschiedenen Gesichtspunkten gezeigt und erst langsam ein Ganzes bildet, regt durchaus zum Nachdenken an.

Eine nutzlose und dumme Geste (USA 2017)

Bei uns kennt man „National Lampoon“ in erster Linie durch Kultfilme wie „Die schrillen Vier auf Achse“, „Caddyshack“ oder „Animal House“, was für eine überdrehte Geschichte aber hinter den beiden Gründern und ihrem frechen und oft extrem niveaulosen Magazin steckt, ist tatsächlich einen Film wert. Die Netflix-Produktion hat nicht nur Will Forte und Domhnall Gleeson in den Hauptrollen zu bieten, sondern auch seine ganz eigene Machart mit im Gepäck, die sich nicht nur kein Stück ernst nimmt, gerne die vierte Wand durchbricht und mit herrlichem Klamauk ganz im Stil von „National Lampoon“ daher kommt. Eine herrlich abgedrehte Komödie, die einen immer wieder auf völlig absurde Art zu überraschen versteht.

A Ghost Story (USA 2017)

Das Grusel-Liebesdrama mit Rooney Mara und Casey Affleck hat mit herrkömmlichen Geisterfilmen wirklich gar nichts zu tun. Dass der Film in abgerundetem 4:3 daher kommt und der Geist im Film tatsächlich nur als Wesen unter einem weißen Laken erscheint, das bis auf wenige Momente kaum jemandem das Gruseln lernt, ist noch nicht das Ungewöhnlichste. Die ruhige und langsame Machart, die extrem melancholische Stimmung und die traurigen Situationen treffen einen tatsächlich deutlich mehr als ein gruseliger Horrorschocker. Letztendlich leidet man hier sehr mit dem Verstorbenen und seiner endlosen Liebe, bis zum Ende ist einem überhaupt nicht klar, wo der Film hin will und doch schließt sich am Ende der Kreis, wenn auch nicht mit dem Gefühl, man hätte den Film wirklich verstanden. „A Ghost Story“ zeigt eine wirklich außergewöhnliche Geistergeschichte, die kaum massentauglich ist, aber sicher jedem, der bis zum Ende schaut, im Gedächtnis bleibt. Ich konnte nach diesem Film tatsächlich schlecht einschlafen, was bei mir nach einem „normalen“ Horrorfilm sehr selten vorkommt.

Molly’s Game (USA 2018)

Jessica Chastain liefert eine wirklich gute Performance ab als die ehemalige Skifahrerin Molly Bloom, die später zur „Poker-Prinzessin“ aufstieg. Auch die prominenten Nebendarsteller um Idris Elba, Kevin Costner und Michael Cera spielen super, sodass der Film durchaus mit anderen „Glücksspiel“-Filmen mithalten kann. Wie viele Filme über Menschen, die mit nicht ganz legalen Dingen ein Vermögen aufhäufen, startet auch dieses Biopic mit dem Tiefpunkt nach einer Verhaftung und vor einem Gerichtsprozess, wobei die eigentliche Geschichte rückblickend neu aufgerollt wird. Die ist rasant und optisch gut gefilmt, aber der Film lebt tatsächlich in erster Linie von seiner hervorragenden Hauptdarstellerin.

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