Kurz kritisiert 23: Von Wölfen, Monstern und Gaunern

Während die letzten Stunden des Jahres 2018 ablaufen und sich draußen die Leute langsam warmböllern, mache ich mich an einen letzten großen Rundumschlag mit vielen Filmen aus dem Filmjahr 2018, zu denen ich kurz vor der FlimmerWAHL 2018 noch ein paar Worte loswerden möchte. Dabei sind „Mogli“, „Bird Box“, „Die Legende von Buster Scruggs“, „Bad Times at the El Royale“, „Operation Overlord“, „Der Nussknacker und die vier Reiche“, „Fünf Freunde im Tal der Dinosaurier“, „Gänsehaut 2“, „Mandy“, „Slender Man“, „Papillon“, „Alpha“ und „Mein Name ist Somebody“.


Mogli: Legende des Dschungels (USA 2018)

Andy Serkis‘ Regiearbeit und gleichzeitig eine Glanzparade für seine Motion-Capturring-Firma stand unter keinem guten Stern. Zuerst kam Disney mit seinem Realremake von „Das Dschungelbuch“ zuerst in die Kinos, zuletzt landete seine Version dann nur noch bei Netflix. Dabei kommen die Abenteuer von Mogli und seinen tierischen Freunden und Feinden im Dschungel nicht nur düsterer, spannender und origineller daher, auch das Motion-Capturing kann sich wirklich sehen lassen und lässt einen sogar die dahinter steckenden Personen wie Christian Bale, Benedict Cumberbatch oder Cate Blanchett in den Gesichtzügen erkennen. Zudem spinnt der Film die Geschichte um Mogli noch etwas weiter und bindet die Menschen mehr in die Handlung ein. Wer Mogli mal ohne fröhlichen Gesang in einer nicht unbedingt kindgerechten Version sehen möchte, dem ist diese Version durchaus zu empfehlen.


Bird Box – Schließe deine Augen (USA 2018)

Mit „A Quiet Place“ kam bereits Anfang des Jahres ein interessanter Horrorfilm in die Kinos, bei dem Monster schon durch minimale Geräusche angelockt wurden. In dieser Netflix-Produktion muss Sandra Bullock jetzt zwei Kinder durch eine verlassene Welt bringen, in der fast alle Menschen von seltsamen Wesen in den Selbstmord getrieben wurden. Wer sie ansieht, bringt sich kurz darauf um, also sind Bullock und die Kinder mit Augenbinden unterwegs, um einen sicheren Zufluchtsort zu finden. Nebenbei gibt es immer wieder Rückblicke in die Zeit, als die Todeswelle begann, die mitunter sehr drastisch in Szene gesetzt werden. Klingt ähnlich interessant, ist auch weitestgehend spannend inszeniert und doch hakt es hier an einigen Stellen. So ist es zwar einerseits eine kluge Entscheidung, die Monster nicht zu zeigen, andererseits versteht man weder deren Beweggründe, noch genau deren Beweggründe. Warum können sie nicht in Häuser? Wieso scheinen sie über physische Kräfte zu verfügen, die auch Bäume umknicken, aber können nur töten, wenn man sie ansieht und das selber übernimmt? Warum rennen dann alle überhaupt vor ihnen weg? Zudem war die Stille in „A Quiet Place“ ein zusätzliches Stilelement, die Blindheit in „Bird Box“ wird optisch nur selten gezeigt, somit wirkt der Film in weiten Teilen wie ein „normaler“ Monsterfilm. Trotzdem ein netter Horrorfilm, den man sich mal gönnen kann.


Die Legende von Buster Scruggs (USA 2018)

Und noch mal Netflix, dieses Mal mit dem neuen Film von Joel und Ethan Coen. Ich wusste vorher nicht, dass es sich hier um sechs unabhängige Western-Kurzfilme handelt und war vor der ersten Episode absolut begeistert, lustig, brutal und voller originellem Splapstick …und plötzlich vorbei. Auch die zweite Epsiode kam noch mit einem gewissen Augenzwinkern daher, doch die nächsten Episoden wurden dann immer zynischer, melancholischer und düsterer. Was nicht bedeutet, dass sie schlecht wären, aber sie fügen sich halt schwer als eine Einheit zusammen. Da ist ein singender Revolverheld, ein vom Bech verfolgter Bankräuber, ein Schausteller und sein bein- und armloser Darsteller, ein einsamer Goldgräber, eine Witwe auf einem Viehtrack und eine Gruppe Kutschinsassen – alle mit ihren eigenen emotionalen, morbiden Geschichten im Wilden Westen. Mal Glanzlichter, mal ganz ok, mal überragend, mal nett, mal witzig, mal tottraurig. Aber ganz klar toll gespielt, denn der Cast um Tim Blake Nelson, James Franco, Liam Neeson, Tom Waits und Brendan Gleeson kann sich wirklich sehen lassen. Grundsätzlich sehenswert, aber eben leider keine qualitativ gleichwertigen Einzelteile und so keine wirkliche Einheit. Man merkt, dass die einzelnen Geschichten über viele Jahrzehnte verteilt in den unterschiedlichsten Situationen geschrieben wurden.


Bad Times at the El Royale (USA 2018)

Man merkt dem Film an, dass Regisseur Drew Goddard ganz klar im Fahrwasser von Quentin Tarantino schwimmen möchte. Interessante weite Aufnahmen, seltsame Charaktere mit allerlei Geheimnissen, ein überschaubarer Schauplatz, lange Dialoge und gezielter Einsatz von Musik und Gewalt. Doch der Krimi über eine Gruppe Personen, die in einem Hotel aufeinander treffen und aufgrund ihrer nicht ganz sauberen Westen auf diverse Arten aneinander geraten, sieht zwar gut aus, aber er zieht sich an vielen Stellen und rückblickend sind die Einzelgeschichten auch nicht so interessant, wie sie erscheinen sollen. Das zeitversetzte Erzählen aus verschiedenen Perspektiven ist aber weitestgehend gelungen und neben Jeff Bridges, Dakota Johnson, Cynthia Erivo und John Hamm ist es vor allem der Auftritt von Chris Hemsworth, der hier als brutaler Sektenführer ganz klar die besten Momente hat, der den Film insgesamt trotzdem kurzweilig genug daherkommen lässt, um ihn dann doch durchzuhalten.


Operation Overlord (USA 2018)

Wenn J.J. Abrahms eine Nazi-Zombiefilm produziert, dann wird daraus tatsächlich ein originell überdrehter Horrorfilm mit solider Action und tatsächlich genug Handlung, um nicht ausschließlich auf der Trashschiene mitzureiten. Wenn hier mitten im besetzten Frankreich während des Zweiten Weltkriegs eine Gruppe US-Soldaten eine Nachrichtenstation unterwandern sollen und dort eine wissenschaftliche Anlage entdeckt, in der Tests unternommen werden, um Tote nicht nur wiederzubeleben, sondern auch mit übermenschlichen Kräften auszustatten, dann kann man natürlich nicht leugnen, dass es sich hier nicht gerade um Mainstream handelt. Doch wenn man so einen Plot mit genug Budget ausstattet, dann kann sich sogar so ein Film echt sehen lassen und tatsächlich sowas wie ernste Töne und beeindruckende Aufnahmen mit einbauen.


Der Nussknacker und die vier Reiche (USA 2018)

Wer hier jetzt eine Disney-Version der berühmten Oper mit beeindruckenden Tanzeinlagen erwartet, der sollte in jedem Fall die Finger von dem Film lassen. Zwar bedient man sich einiger Handlungselemente und lässt in der Mitte sogar plump Auszüge des Ballets vortanzen, aber was für eine maue Handlung daraus gebastelt wurde, ist einfach nur langweilig und kein Stück originell. Fröhlich bei „Alice im Wunderland“ und anderen Kindermärchen, in denen ein junges Mädchen in eine versteckte Fantasywelt eintaucht, geklaut, mit unstimmigen Entwicklungen und unsinnigen Charakteren bestückt, kann man nur den Kopf schütteln, dass sich Stars wie Helen Mirren, Keira Knightley oder Morgan Freeman in diesem Film verirren konnten. Auch Hauptdarstellerin Mackenzie Foy schafft es keinen Moment, die bezaubernde Disney-Prinzessin zu werden, die sie wohl gerne darstellen möchte. Wer einen schönen Fantasy-Kinderfilm sehen möchte, sollte lieber im Archiv schauen und diesen Film vorbeitanzen lassen.


Fünf Freunde und das Tal der Dinosaurier (D 2018)

Seit man 2012 mit einer Kino-Neuauflage von Enid Blytons berühmtesten Freunden startete, ist so viel Zeit vergangen, dass man nach vier Teilen den alten Cast nicht mehr wirklich als Kinder verkaufen konnte, also war es mal wieder an der Zeit für einen Neustart. Warum der Plot dann aber fast genau wie „Conni & Co. 2“ daherkommt, sich plump auf das Erfolgsthema „Dinosaurier“ stürzt, hier und da etwas Furzhumor einstreut und auch mit den neuen Darstellern so gar nicht die richtige Wahl getroffen hat, will sich mir dann nicht so erschließen. Wer wie ich mit den „Fünf Freunden“ aufgewachsen ist, sollte spätestens jetzt die schöne alte TV-Serie aus den 70ern wieder ausgraben und zukünftig die Finger von neuen Versionen lassen.


Gänsehaut 2: Gruseliges Halloween (USA 2018)

Mit der kurzweiligen Kinoversion der Kindergruselreihe „Gänsehaut“ gelang 2016 eine nette Gruselkomödie mit einem gut aufgelegten Jack Black. Der darf im zweiten Teil zwar Richtung Ende kurz noch mal mitmischen, aber bei weitem nicht so zentral wie im ersten Teil. Die Fortsetzung erzählt trotz kleiner Bezüge zum Erstling aber ohnehin eine eigene Geschichte, die verhältnismäßig harmlos daherkommt und sich als Kindergrusel ganz nett nebenbei anschauen lässt. Dieses Mal sorgt die Bauchrednerpuppe Slappy dafür, dass ein paar Kinder versehentlich zu Halloween alle Monster zum Leben erweckt. Wenn man den ersten Teil mochte, tut dieser auch nicht weh, wirklich verpassen tut man aber auch nichts.


Mandy (USA 2018)

Wieso dieser Film als einer der großen Slasher diesen Jahres gefeiert wird, kann ich beim besten Willen nicht verstehen. Ja, Nicholas Cage dreht richtig geil durch und kann kurz vor dem Ende mal seinen ganzen Wahnsinn vor der Kamera ausleben, aber durch was für psychodelische Bilder und für ewig zähe Dialoge man sich vorher durchquälen muss, kann ich dem Film echt nicht verzeihen. Vielleicht muss man vorher die gleichen Drogen genommen haben, die offensichtlich die Macher intus hatten. Anstrengende Rottöne, nervige Charaktere, alles gefühlt in Zeitlupe gedreht, da hilft auch der wummerde Soundtrack nicht mehr. Wer Lust auf eine filmische Grenzerfahrung hat, der kann „Mandy“ versuchen durchzuhalten und Cage bei seinem Rachefeldzug gegen eine bekloppte Jesus-Sekte zuschauen, allen anderen sei dann doch eher abgeraten.


Slender Man (USA 2018)

Eigentlich hätte man aus dem Gruselwesen „Slender Man“ einen soliden Horrorstreifen machen können, aber was hier zurechtgestümpert wurde, ist einerseits vom Plot her totaler Murks und auf der anderen Seite kein Stück gruselig. Während einem der Trailer noch viele absurd gruselige Bilder versprach, dümpelt der Film über ein paar Mädels, die irgendwie dummerweise über das Internet den bösen „Slender Man“ beschwören, vor sich hin, ohne auch nur eine Minute lang Sinn zu ergeben oder wirklichen Grusel aufkommen zu lassen. Da helfen auch die schon im Trailer verbratenen coolen Horrorshots nicht mehr. Ich hatte vor einigen Jahren mal gedacht, dass aus Joey King mal eine tolle Schauspielerin werden könnte, aber nur noch mit Leistungen in drittklassigen Horrornieten dürfte nicht der richtige Weg sein.


Papillon (USA 2018)

Das Problem mit der Neuverfilmung von „Papillon“ ist nicht die Inszenierung, die kommt solide und optisch durchaus gelungen daher, es sind auch nicht die Darsteller, gerade Charlie Hunnam und Rami Malek können als Gefangene, die um 1930 versuchen, aus einer brutalen französischen Gefängniskolonie zu fliehen, voll und ganz überzeugen. Die Handlung ist spannend und überraschen, der Film gewinnt ganz klar durch den Dreh an Originalschauplätzen und versteht es durchaus zu fesseln und zu bewegen. Das Problem besteht einfach darin, dass die einzigartige Verfilmung von 1973 mit Steve McQueen und Dustin Hoffman gar kein Remake nötig hatte. Der Film bleibt weiterhin ein Meisterwerk, welches die Neuauflage brav imitiert, aber sich nicht genug abhebt, um eigenständig genug überzeugen zu können. Was aber trotzdem nicht bedeutet, dass die Version von 2018 schlecht wäre, ganz im Gegenteil. Er misst sich einfach mit einer zu großen Vorlage. Wem aber Filme aus den 70ern pauschal zu alt sind, dem sei diese Version ganz klar ans Herz gelegt.


Alpha (USA 2018)

Ich bin absolut kein Hundemensch, daher fehlt mir ein wenig der Bezug zu diesem Abenteuerfilm, der zeigt, wie ein junger Mann während der Eiszeit vor 20.000 Jahren einen Wolf zähmt und mit ihm den beschwerlichen Weg zurück in sein Heimatdorf meistert. Der Film hat ganz klar seine bewegenden Momente und auch so einige spannende Szenen, aber es tut immer wieder weh, wenn beeindruckende Landschaftsaufnahmen direkt in schlechtes CGI übergehen. Immer wenn man sich in die Steppe zurückversetzt fühlt, stößt der digitale Versuch, dem echten noch etwas „Besseres“ überzustülpen, einen wieder bitter in die Realität zurück. Kodi Smit-McPhee macht seine Sache gut und überzeugt als unerfahrener Krieger mit großem Überlebenstrieb, auch die Tieraufnahmen sind grundsätzlich gut gemacht, aber sobald digital zwischengepfuscht wird, zerstört es die Wirkung des ganzen Films. Das nächste Mal vielleicht etwas seltener CGI, dafür an den richtigen Stellen dann aber in besserer Qualität. Das geht heute eigentlich deutlich besser.


Mein Name ist Somebody (USA 2018)

Als großer Fan der Klassiker von Terence Hill und Bud Spender habe auch ich mich vom Titel „Mein Name ist Somebody – Zwei Fäuste kehren zurück“ irreführen lassen. Es mag sein, dass Terence Hill sich mit seinem neuen Film einen Lebenstraum erfüllt hat, es mag auch sein, dass er ihn mit ganz viel Herzblut dem verstorbenen Buddy gewidmet hat, aber der Film über einen alten Aussteiger, der auf der Suche nach einer Bestimmung ein junges Mädchen rettet, die er ab da nicht mehr los wird und deren Freude und Temperament dem alten Grisgram wieder eine Richtung im Leben zeigt, hat so gar nichts mit den alten Filmen zu tun. „Mein Name ist Somebody“ ist weder ein Western, noch gibt es die gewohnten Kloppereien und auch der Humor schwelt hier eher auf Sparflamme, ist der Film doch einer ein Drama als eine Komödie. Vielleicht hätte das Marketing den Film anders bewerben sollen, das wäre dem Film und der Intention von Terence Hill vielleicht näher gekommen, aber die Anspielungen auf die Klassiker „Mein Name ist Nobody“ und „Vier Fäuste für ein Halleluja“ haben sicher den ein oder anderen Fan erst mal angelockt. Mit einer anderen Erwartungshaltung hätte ich den Film vielleicht mit anderen Augen gesehen, so ist er eine echte Enttäuschung gewesen.

Bildergalerie


Verwandte Artikel

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.