„Im Winter ein Jahr“ – Sehr intensive Szenen

nur miesschlechtfast mittelmäßigmittelmäßigfast gutgutfast sehr gutsehr gutfast einzigartigfast einzigartig   6,66 (3 Stimmen)
Loading...

Eine Mutter geht zu einem Maler und gibt ihm den Auftrag, ein Bild von ihren beiden Kindern zu machen. Das Problem dabei ist, nur die Tochter lebt noch, der Sohn starb vor fast einem Jahr. Der Maler begibt sich nun auf eine Reise von Komplexen, Ängsten und verborgenen Gefühlen der einzelnen Familienmitglieder. „Im Winter ein Jahr“ ist passend zur Jahreszeit melancholisch, traurig und düster.

Der Film thematisiert den Tod, die Verarbeitung des Verlustes, das Leben selber und die Liebe. Der Film dreht sich dabei um die Mutter, den Maler, aber vor allem um die Tochter. Man sieht bei allen Familienmitgliedern die verschieden Arten der Verarbeitung mit dem Tod des Sohns bzw. Bruders. Während der Vater sich weiterbewegt, die Mutter in der Zeit still steht, hat sich die Tochter mit ihrem Verlust noch nicht beschäftigt. Sie sucht verzweifelt Liebe und Halt. Ich bin eine Theaterschlampe, dies sind ihre Worte und zeigen die Maske, die sie für andere aufsetzt. Sie ist verloren und sieht die Geisterfigur ihres Bruders an jeder Ecke. Zwischen ihr und dem Maler bahnt sich eine Freundschaft an, denn er ist vielleicht der einzige, der sie verstehen kann, hat er selber ja seinen Geliebten verloren und mit der früheren homosexuellen Beziehung auch seine Familie.

Der Film besitzt unglaubliche Schauspieler. Man kann nicht wirklich sagen, wer hervor sticht, denn sie sind alle grandios und verkörpern ihre Rollen perfekt. Am ehesten verblasst der Vater, da er auch am wenigsten zu sehen ist. Karoline Herfurth in der Hauptrolle besitzt sehr starke Momente, aber auch Corinna Harfouch als Mutter darf sich in ihrer Rolle in jeder Extreme austoben. Der Maler hat keine starken Momente, sind seine Leistungen so durchgehend gut. Der verstorbene Sohn taucht zwar nur in den Flashbacks bzw. Bildern auf, erfüllt diese kurzen Auftritte aber auch mehr als gut. Selten so charismatische Schauspieler gesehen.

Ist die Grundidee mehr als gut, die Schauspieler grandios und die Regiearbeit zum Teil sehr gut, so ist das Drehbuch recht schleichend. Am Anfang gibt es viel zu viele lange Szenen. In der ersten Hälfte treibt der Film, doch ab der zweiten Hälfte wird der Film intensiver. Jede Szene ist dramatisch, in jeder darf ein Schauspieler bis zu seinen Grenzen spielen. Leider gilt das nur ab der Mitte des Films. Auch in der Regiearbeit hätte man es intensiver gestalten können. Ab und an zeigt die Regisseurin ihr Können, wenn sie Bild und Ton interessant zusammen schneidet, oder Erinnerungen des toten Sohnes reinschneidet, doch dann gibt es auch Szenen, wo man viel mehr hätte machen können. Es gab bei dem Film noch viel mehr Potential, hätte man ihn schneller inzeniert und etwas weggeschnitten. Der Trailer war in der Hinsicht besser und wirkte nicht so träge.

Wer Filme mit einer derart schwierigen und traurigen Thematik „mag“, dem sei der Film trotz der Längen ans Herz gelegt. Im Austausch von Geduld berührt der Film einen.

Bildergalerie (zum Vergrößern anklicken)


Verwandte Artikel

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.