„Klondike“ – Mit Robb Stark im Goldrausch

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Erwartet hatte ich von der dreiteiligen Miniserie „Klondike“, die der Discovery Channel vor zwei Jahren als Eigenproduktion ausgestrahlt hat, einen reinen „Deadwood„-Abklatsch, nicht zuletzt durch die Tagline „What doesn’t kill you makes you a fortune“. Doch obwohl das Setting in einer dreckigen, gesetzlosen Goldrauschstadt natürlich sehr ähnlich ist, sind sich „Klondike“ und „Deadwood“ weitaus weniger gleich, als man gedacht hat. Insgesamt beeindruckt die Miniserie mit fantastischen Sets und realen Landschaftsaufnahmen, auch die Darsteller sind sympathisch, aber leider wirkt die Serie gleichzeitig auch sehr brav, klischeebeladen und soapy.

Inhalt

Am Ende des 19. Jahrhunderts kommt es in den USA und Kanada zum Goldrausch: Hunderttausende Menschen machen sich auf den Weg in den Nordwesten Amerikas, um ihr Glück zu finden und reich zu werden. Die Freunde Bill Haskell (Richard Madden) und Byron Epstein (Augustus Prew) machen sich ebenfalls auf zum eiskalten Yukon-Gebiet am Klondike River und buddeln in ihrem Goldclaim nach Gold. Dabei müssen sie allerdings nicht nur der harten Landschaft widerstehen, sondern auch den vielen rücksichtslosen Gestalten am Goldrauschort …

Rezension

Fans des Westerngenres oder eher Abenteuer- oder Historiendrama-Fans werden die Serie gerne angucken, das Drama reicht aber gerade mal für den 08/15-Zuschauer. „Klondike“ bietet insgesamt leider nur durchwachsene Unterhaltung.

Der Cast ist klasse, allen voran macht Richard „Robb Stark“ Madden seine Sache ordentlich; wieder muss er sich fellbedeckt durch verschneite Landschaften kämpfen und ist von Wölfen umgeben – tatsächlich und metaphorisch. Er gibt eine ordentliche Hauptfigur ab und überzeugt.

Aber auch die anderen halbwegs bekannten Darsteller Abbie Cornish, Sam Shepard und Tim Roth machen ihre Sache solide, die unbekannteren Nebendarsteller ebenfalls. Die Serie schafft es somit, das Interesse des Zuschauers für einige Figuren und die Goldrausch-Welt am Klondike zu wecken, aber wirklich mitfiebern kann man nicht. Die Hauptfiguren sollen reifen und abgebrüht werden, aber da die Serie insgesamt zu brav bleibt (gerade weil sich einem der Vergleich zu „Deadwood“ permanent aufdrängt), funktioniert das nur bedingt. Eher kann man sich mit „Klondike“ nett berieseln lassen.

Dabei erfreut man sich jedoch durchgehend an den bombastisch eingefangenen Aufnahmen von verschneiten Landschaften, reißenden Flüssen, der lebendigen Stadt Dawson City und den schlammigen Goldgruben. Dies alles gibt es in „Deadwood“ nicht zu sehen. Man kann es nicht oft genug sagen: Die Landschafts- und Außenaufnahmen sind der Hammer und übertreffen vieles, was man bisher im TV sehen konnte. Auch die detailliert ausgestalteten Sets wirken sehr authentisch, und das schafft eine starke Atmosphäre.

Aber Spannung oder klug geschriebene Plotlines gibt es in der Serie kaum. Und wenn, dann kommen sie von der Stange. Packendes Drama gibt es nicht, die Story verfällt schnell in Stereotype und platte Twists: zu Beginn völlig spannungsarm und zum Schluss unglaubwürdige und gekünstelte Dramatik. Gerade die Dialoge sind höchstens solide geschrieben, der Off-Text macht das besonders deutlich. Die kontinuierliche und dick auftragende Musik schadet der Serie ebenfalls.

Zwar werden einige Themen angesprochen, so ist von Idealismus, Tatendrang und Naivität bis zu Liebe und vor allem immer wieder Moral („You’ll kill another, you’ll kill yourself“) alles dabei, aber wirklich etwas daraus gemacht wird kaum. Mehr Folgen hätten der Serie sicherlich gut getan, hätte man dann viele der Handlungsstränge besser ausgestalten können. Zum Schluss ist man somit ein wenig enttäuscht, sieht man durchaus Potenzial für eine längere und vor allem klüger geschriebene und inszenierte Serie – die aber durch die in sich komplett abgeschlossene Struktur der drei 90-Minuten-Folgen nicht zustandekommen wird. Eine ca. 10 Folgen à 45 Minuten umfassende Staffel hätte aus dem Stoff mehr machen können.

Alles in allem wirkt die Miniserie insgesamt eher wie eine Dokumentation über den Goldrausch am Klondike River als eine fesselnde Miniserie: Thema und Zeit sind klasse eingefangen und es gibt jede Menge Schauwerte, aber als Dramaserie bietet „Klondike“ nur Mittelmäßiges.

Fazit

„Klondike“ ist ein stimmungsvolles Zeitdokument, was durch die liebevoll gefilmten Sets und Landschaften durchaus sehenswert ist. Die Darsteller und ihre Figuren sind solide, alles in allem ist die Serie aber zu brav und mit weichgespülten Plots und dudeliger Musik verwässert, um hundertprozentig überzeugen zu können. Für Fans des Genres und Landschaftsaufnahmen zu empfehlen, als clevere Dramaserie eher nicht geeignet.

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