„Bohemian Rhapsody“ – Familienfreundliches Queen-Biopic!

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Wenn man so wie ich schon seit der Kindheit extremer Queen-Fan ist, der sich vor dem Film auch noch mit gut sechs Stunden Dokus vorbereitet hat, dann kann einen vermutlich gar kein Biopic über eine der wohl größten Rockbands aller Zeiten mit dem legendären Frontmann Freddie Mercury voll überzeugen, denn nicht nur die Bandgeschichte sondern vor allem das Leben von Mercury bietet so viele interessante Aspekte, dass es wohl für vier Filme reichen würde. So könnte ich mich jetzt den vielen Kritiken anschließen und bemängeln, dass die realen Ereignisse an vielen Stellen für die Filmdramaturgie geändert wurden, dass das exzessive Privatleben von Mercury nur angerissen wird, um den Film familienfreundlicher zu machen, und dass die Handlung sich nicht bis zum Tod Mercurys erstreckt. Wenn man sich letztendlich damit abfindet, dass der Film nicht (nur) für Fans der Band gemacht wurde, sondern auch die ansprechen soll, die außer ein paar Songs bisher gar nichts über Queen und ihre Geschichte wussten, dann bietet „Bohemian Rhapsody“ eine runde Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse bis zum legendären „Live Aid“-Konzert 1986 mit einem wirklich guten Rami Malek als Mercury. Und die Songs sind einfach weiterhin zeitlos und genial!

Inhalt

Anfang der 70er schließen sich Freddie Mercury (Rami Malek) und John Deacon (Joseph Mazzello) den Musikern Brian May (Gwilym Lee) und Roger Taylor (Ben Hardy) an, um unter dem Namen „Queen“ eine einzigartige Rockkarriere zu starten. Nachdem einem schweren Start erschaffen die vier Ausnahmemusiker einen Hit nach dem anderen, doch die interne Rivalität und das ausschweifende Privatleben Mercurys bringen immer mehr Konflikte, an denen die Band bald zu zerbrechen droht, vor allem, als Mercury eine Solokarriere in Betracht zieht.

Review

Seit vor zehn Jahren zum ersten Mal das Biopic thematisiert wurde, damals noch als Film über Freddie Mercury, habe ich diesem Film entgegengefiebert, schließlich ist Queen für mich bis heute eine der besten Bands aller Zeiten und eng mit meiner Kindheit und Jugend verbunden. So wusste ich auch, das neben der wirklich unglaublichen Masse an großartigen Songs auch die Geschichte der Band absolutes Potential für eine Verfilmung bietet. Doch auf jede interessante Entwicklung folgte ein Rückschritt, Regisseure wie Tom Hooper und Dexter Flechter warfen das Handtuch und auch Sacha Baron Cohen, der wohl eine sehr interessante Besetzung für Mercury gewesen wäre, war irgendwann vom Tisch, weil er sich eine viel explizitere Darstellung des Sängers vorstellte als Brian May und Roger Taylor sich für den Film vorstellten, die übrigens maßgeblich an der Entstehung des Film beteiligt waren. Aber auch Regisseur Bryan Singer stieg kurz vor dem Ende der Dreharbeiten aus und so vollendete dann doch Dexter Fletcher das Werk.

Wenn man sich diese Produktionsschwierigkeiten anschaut, dann merkt man das dem Ergebnis jedoch nicht wirklich an. Der Film ist an sich eine runde Sache, er bietet einen recht umfassenden Abriss der Bandgeschichte, die Darsteller sind gut ausgewählt, allen voran natürlich Rami Malek als Freddie Mercury, aber auch Gwilym Lee, Ben Hardy und Joseph Mazzello (der kleine Tim aus „Jurassic Park“) spielen ihre Rollen solide. Unter den Nebendarstellern wie Aidan Gillen oder Tom Hollander sollte der Gastauftritt von Mike Myers eine besondere Erwähnung erhalten, seine Besetzung ausgerechnet als Produzent Ray Foster, der die Genialität des Songs „Bohemian Rhapsody“ nicht erkennen wollte, ist schon amüsant, war es doch Myers, der genau diesem Song mit seinem Film „Wayne’s World“ in den 90ern zu einer weiteren Hitphase verhalf. Doch allen stielt dann doch Rami Malek sie Show, der es nicht nur schafft, optisch sehr nah an Mercury heranzukommen, sondern auch den Spagat zwischen extremer Rampensau und sensiblem Privatmenschen wiederzugeben. Ob ein Sacha Baron Cohen eine wirklich bessere Performance abgeliefert hätte, kann man so dann doch anzweifeln.

Kommen wir zur Musik und die rockt! Geht aber bei Queen auch nicht anders. Auch hier kann man sich streiten, ob man nicht die Darsteller hätte alles neu einsingen und einspielen lassen sollen, doch die Entscheidung, größtenteils auf Originalaufnahmen zurückzugreifen und nur anteilig Maleks Stimme und die eines wirklich guten Mercury-Coversängers einzusetzen, ist auf jeden Fall eine offensichtlich gute Lösung. Auch die Umsetzung der Liveauftritte ist wirklich gelungen, vor allem bei Live Aid hat man fast 1:1 nachgedreht.

Natürlich muss ich doch noch kurz quängeln, dass aber die Songs und ihre Entstehung zeitweise nicht der korrekten Zeit entspricht und auch mitunter falschen Alben zugeordnet werden, dass die AIDS-Diagnose von Mercury viel später kam und vor allem, dass es diese Trennung der Band und das Zusammenfinden kurz vor Live Aid so gar nicht gegeben hat, aber insgesamt ist eigentlich alles drin, was für ein Grundverständnis der Band und ihrer Geschichte nötig ist. Was mir aber tatsächlich fehlt, ist die letzte Phase der Band, für mich stand eigentlich immer fest, dass das Ende, als Freddie Mercury bis zu seinem letzten Tag noch stundenweise ins Studio kam, um noch etwas einzusingen, auch das Ende des Films gewesen wäre. Dass der Film aber bewusst einen Höhepunkt als Abschluss wählt, ist aber vielleicht auch kein schlechter Schachzug. Und dass das ausschweifende Leben Mercurys und seine Homosexualität im Film nicht vorkommen, ist durchweg nicht wahr, man hätte hier sicher noch tiefer eintauchen können, aber es wird alles mindestens angerissen, vom Drogenkonsum zu den Partys und die Abstiegen in die „Katakomben“ von München und natürlich auch seine Probleme mit der Homosexualität in einer nicht gerade toleranten Welt. Doch nicht zuletzt sein Umgang mit der Krankheit und sein Einsatz für die Musik bis zu seinem Tod sind maßgeblich dafür verantwortlich, dass Freddie Mercury nicht nur ein Rockstar sondern eine Legende werden konnte, der mit 45 Jahren leider viel zu früh starb.

So wurde ich trotz meiner nach den ersten Kritiken nicht mehr ganz so optimistischen Erwartungshaltung doch gut gerockt und filmisch unterhalten. Meiner Meinung nach sollte alle, bei denen spätestens nach diesem Film das Interesse an der Band geweckt wurde, die zahlreichen Dokumentationen schauen, es gibt noch viel mehr zu erfahren.

Fazit

Vielleicht nicht ganz das Queen-Biopic, dass ich mir gewünscht hätte, aber trotzdem eine runde Sache, die nicht nur die wichtigsten Stationen der Band wiedergibt und ihre größten Ohrwürmer und deren Entstehungsgeschichte auch für jüngere Generationen zum besten gibt, sondern mit Rami Malek als Freddie Mercury eine wirklich ganz große Performance zu bieten haben.

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