„Phantastische Tierwesen 2“ – Viel Effekthascherei, wenig Zauber!

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Ich habe vorab noch mal die „Harry Potter“-Filme gesehen und mich wieder voller Freude in die Zauberwelt versetzt gefühlt, doch auch beim erneuten Schauen von „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ wollte sich nicht die gleiche Begeisterung einstellen. Ähnlich ging es mir leider auch bei der Fortsetzung „Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbechen“, trotz vieler versteckter Verweise auf das „Potterversum“ und ganz klar wieder jede Menge originelle Tierwesen fehlt mir bei den wirklich bombastischer Magieattacken irgendwie der Zauber der damaligen Buchreihe. Vielleicht sind es die fehlenden wirklichen Identifikationsfiguren oder der wirklich schon übertriebene Zauberei-Overkill, aber irgendwie werde ich wohl trotz wahrer Hingabe zu Joanne K. Rowlings Kultbuchreihe nie ein echter Fan der „Phantastischen Tierwesen“ werden. Das macht auch die Fortsetzung nicht zu einem schlechten Film, aber irgendwie doch nur zu einem Anhängsel, etwas leichtem Fanservice, der aber leider nicht mehr die gleiche Magie versprüht wie die Originalreihe.

Inhalt

Nachdem Gellert Grindelwald (Johnny Depp) die Flucht gelungen ist, sucht die ganze Zaubererwelt nach ihm, während er selber nach Credence (Ezra Miller) sucht, um dessen Macht für seine Zwecke einzusetzen. Da dieser in Paris vermutet wird, treffen dort alle wieder aufeinander: Tierfreund Newt Scamander (Eddie Redmayne), von Albus Dumbledore (Jude Law) geschickt, um Credence zu retten und Grindelwald auszuschalten, Tina (Katherine Waterston) aus New York, die inzwischen Aurorin ist und das gleiche Ziel verfolgt, sowie ihre Schwester Queenie (Alison Sudol) zusammen mit Muggel Jacob (Dan Fogler). Ein neues Abenteuer in einer Welt voller dunkler Magie beginnt.

Review

Ich glaube, dass die Filmreihe bei mir schon alleine deshalb einen negativen Beigeschmack behalten wird, weil ich so viele Potter-Fans kenne, die völlig kritiklos an die neuen Filme herangehen, weil es überhaupt Neuigkeiten aus der Zauberwelt gibt. Die Rechnung der Macher geht also vollkommen problemlos auf, Rowlings Ankündigung für gleich fünf Filme, noch bevor der erste überhaupt als Erfolg gewertet werden konnte, stellt offensichtlich kein Problem dar. Die Pottermania muss am Leben gehalten werden und zwar so lange wie möglich, die Fans werden schon fressen, was man ihnen vorwirft. Dabei sind beide Filme grundsätzlich nicht schlecht, aber sie gehen einem absolut nicht ans Herz, sie unterhalten, das sicher auch in vielen Momenten sehr gut, aber sie bewegen einen nicht.

Der zweite Teil wirkt wenigstens wie aus einem Guss, der Erstling wusste da noch nicht so ganz, was er sein wollte und sprang noch ziemlich unkontrolliert zwischen amüsantem Tiermärchen und düsterem Zauberkrimi hin und her. „Grindelwalds Verbrechen“ ist da gradliniger und insgesamt düsterer, aber trotzdem gibt es genug amüsante und beeindruckende Momente mit zahlreichen neuen Tierwesen. Natürlich freut man sich als Fan auch über die zahlreichen Referenzen an die Potter-Romane, von Nicholas Flamel über Nagini bis zu Leta Lestrange. Auch Jude Law als junge Version von Albus Dumbledore bereichert den Film und verspricht einiges für die weiteren Fortsetzungen. Selbst Johnny Depp, der in den letzten Jahren nicht mehr unbedingt auf der Erfolgswelle ritt, macht eine gute Figur als der düstere Gellert Grindelwald. Aber nette Tierwesen, Potter-Referenzen und wilde Zauberstab-Action sind zwar unterhaltsam, aber trotzdem nicht genug.

Während der zweite Teil einerseits eine spannende Richtung einschlägt, wenn er die Absichten des wortgewandten Grindelwald auf den ersten Blick gar nicht so falsch wirken lässt, schafft er es nicht, dass einem die bekannten Gesichter aus dem ersten Teil weiter ans Herz wachsen. Newt Scamander bleibt weiter sehr verschroben, irgendwo zwischen liebens- und bemitleidenswert. Er ist ganz klar der größte Sympathieträger und trotzdem hat man für einen Neville Longbottom damals sicher mehr empfunden. Tina Goldstein hat kaum wirklich emotionale Momente und leistet auch nichts Großes, selbst Jacob Kowalski, der so viel vom Humor des ersten Teils ausgemacht hat, bleibt weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Von Albus Dumbledore sieht man noch nicht viel, hier wird sich das Potential hoffentlich in den kommenden Filmen zeigen. Gellert Grindelwald ist vermutlich am interessantesten und facettenreichsten geraten, als Bösewicht bietet er unterm Strich aber auch nichts, was man nicht schon woanders gesehen hätte. Die zahlreichen anderen Charaktere bleiben Beiwerk, ohne sich wirklich ins Gedächtnis zu spielen. Und schon gar nicht ins Herz.

Jetzt könnte man noch sagen, dass Action und Effekte eine Menge rausreißen würden, aber wenn man sich vor Augen führt, wie limitiert die Magie bei „Harry Potter“ und wie jeder Zauberspruch noch ein Ereignis war, dann wirkt es auch falsch, dass hier jeder die tollsten Sachen mit ein wenig Zauberstabwedeln vollführen kann. Während damals ein fliegendes Auto schon ein großes Problem war, scheinen die Menschen auch in Paris trotz unfassbarer Ereignisse um sie herum gar nichts zu rallen, und wenn damals ein kleines Zelt innen zu einem riesigen Wohnraum wurde, dann kann man jetzt in einem Keller ganze Landstriche verstecken. Das macht optisch eine Menge her, aber es ist eben nicht mehr das, was die Magie mal ausgezeichnet hat.

Ich persönlich glaube nicht, dass die fehlenden drei Teile die Reihe noch in den Filmolymp befördern werden, aber es bleibt trotzdem interessant, wie es weitergehen wird und vor allem, wie sich das Geschehen in der Zauberwelt hinsichtlich einiger Andeutungen mit der tatsächlichen Geschichte verbinden wird. Natürlich freue ich mich auch, dass es noch ein paar weitere Ausflüge in die Zauberwelt geben wird, aber diesen traurigen Beigeschmack, dass es eben doch nicht wieder wie damals werden kann, werde ich wohl nicht loswerden.

Fazit

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