„Rocketman“ – Berauschendes Elton-John-Biopic!

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Es ist vielleicht unfair, immer „Bohemian Rhapsody“ als Vergleich heranzuziehen, aber es ist schon bitter, wie grandios einem „Rocketman“ vor Augen führt, was man beim Queen-Biopic so alles hätte besser machen können. Denn die Geschichte von Elton John bietet nicht nur eine wirklich einzigartige schauspielerische und gesangliche Leistung von Taron Egerton, der Film ist eine emotionale Achterbahnfahrt, ein mitreißendes Musical, ein tragikomisches Drama, ein künstlerisches Experiment, kurzum ein echtes Highlight! Ich bin selten so geflasht aus dem Kino gekommen, sodass ich gleich im Anschluss meine Eindrücke loswerden muss. Man muss nicht viel über Elton John wissen und nicht mal viele seiner Songs kennen, um hier voll auf seine Kosten zu kommen. Regisseur Dexter Flechter und Hauptdarsteller Taron Egerton setzen dem großen Musiker das Denkmal, das er verdient hat. Absolut sehens- und hörenswert!

Inhalt

Der kleine Reginald Dwight (Matthew Illesley, Kit Connor) leidet stark darunter, dass er von seinen Eltern Sheila (Bryce Dallas Howard) und Stanley (Steven Mackintosh) keine wirkliche Liebe erfährt. Auch als er dank einer unglaublichen musikalischen Gabe anfängt, mit seinem Klavierspiel aufmerksam auf sich zu machen, interessiert es sie nicht. Doch dann ändert er seinen Namen in Elton John (Taron Egerton) und startet dank des Zusammentreffen mit dem Texter Bernie Taupin (Jamie Bell) und dem Produzent Dick James (Stephen Graham) eine unglaubliche Karriere im Musikbusiness. Doch das Verleugnen seiner Homosexualität und zahlreiche andere persönliche Enttäuschungen lassen ihn seinen Erfolg nicht wirklich genießen und fördern seine Sucht nach Drogen, Alkohol und Medikamenten immer mehr.

Review

Schon seit dem ersten Trailer habe ich diesem Film entgegen gefiebert, obwohl ich mich nicht mal als großen Fan von Elton John bezeichnen würde. Aber schon die ersten Bilder zeigten, dass man bei „Rocketman“ musikalisch und künstlerisch ganz andere Wege gehen würde. Und da ist es leider wirklich der einfachste Weg, den Film direkt mit den Schwächen von „Bohemian Rhapsody“ zu vergleichen. Da wäre zuerst die geniale Idee, „Rocketman“ als Musical aufzuziehen, die Songs und die Songtexte bekommen so nicht nur eine ganz andere Bedeutung für die Handlung, sie reißen einen einfach mit, das gilt sogar für unbekanntere Songs. Aber da kommen wir gleich zum nächsten absoluten Pluspunkt: Taron Egerton singt selber! Und das wirklich super! Während man bei „Bohemian Rhapsody“ natürlich mit den klassischen Versionen der Songs nicht viel falsch machen konnte, da diese einfach zeitlos sind und auf ewig rocken werden, sorgen hier die neuen Arrangements und der Gesang der Darsteller für ein ganz anderes Musikerlebnis. Hier hatte man alle Freiheiten, die Songs völlig neu zu bearbeiten, und das kann sich wirklich hören lassen. Im besten Musicalstil, kombiniert mit tollen Choreografien, macht die Musik einen Großteil der Wirkung des Films aus.

Doch auch die Handlung selber schafft es immer wieder, einen alle Höhen und Tiefen mit durchleben zu lassen. Während man eben noch mit Elton John ganz oben über der Bühne schwebte, fühlt man den nächsten Tiefpunkt genauso tief in der Magengegend. Eben ein absolut witziger Moment, gleich danach wieder ein bitterer Tiefschlag, eine echte Achterbahnfahrt. Man fühlt mit den Charakteren, und wird immer wieder zwischen ihrer Euphorie und Enttäuschung hin und her gerissen. Dieses Mitfühlen verdankt der Film dann aber zum Großteil seinen Darstellern, ganz vorne natürlich Taron Egerton, der wirklich alles gibt. Ihm nimmt man den schüchternen Reginald genauso ab wie den vollkommen zugekoksten Elton. Nach seinen tollen Leistungen bei „Kingsman“ und „Eddie the Eagle“ ist Egerton hier wirklich einzigartig. Witzige Randinfo übrigens, dass er und Elton John bei „Kingsman 2“ übrigens schon gemeinsam vor der Leinwand standen. Aber auch Jamie Bell als Bernie Taupin und „Game of Thrones“-Star Richard Madden als schmieriger Manager sowie Bryce Dallas Howard als Eltons Mutter stellen wunderbare Gegenpole zu Eltons Charakter dar und spielen ihre Rollen wirklich toll.

Dass in den Medien vorrangig davon die Rede ist, dass dieser Film hinsichtlich Homosexualität und Drogenkonsum ganz anders vorgeht als „Bohemian Rhapsody“, finde ich fast schon wieder schade, wirkt es doch fast wie eine Werbestrategie. Dabei ist es absolut richtig, dass Elton John als ausführender Produzent darauf bestanden hat, diese Teile nicht auszusparen. Wer hier jetzt aber wirklich explizite Szenen erwartet, bekommt diese natürlich auch nicht, aber der Film spielt diese Karte trotzdem passend aus. Da ist es schon wieder schockierend, dass es in der heutigen Zeit immer noch ein so großes Thema ist, wie deutlich Homosexualität im Kino gezeigt werden „darf“. Diese Diskussionen zeigen nur wieder, dass wir immer noch nicht viel weiter sind als zu der Zeit, als Elton John sein Schwulsein verheimlichen musste, um seine Karriere nicht zu gefährden.

So kann ich abschließend nur sagen, dass der Film alles richtig macht, um einem den Zugang zu Elton John zu ermöglichen und einen gleichzeitig auf einen wirklich fantastischen musikalischen Trip schickt. Vielleicht hätte Regisseur Dexter Fletcher, der nach dem Ausstieg von Bryan Singer die Regie von „Bohemian Rhapsody“ nur vollendete, auch beim Queen-Biopic insgesamt mehr rausholen können. Es ist aber schon ein Vorteil, wenn die Musiker im Hintergrund die gleiche Vision wie das Filmteam teilen, das war wohl bei Brian May und Roger Taylor nicht der Fall, die am Kultstatus von Freddie Mercury lieber nicht kratzen wollten.

Fazit

Taron Egerton liefert eine einzigartige Performance als Elton John ab und rockt einen durch ein wirklich spezielles Biopic-Musical, das andere Musikerfilm alt aussehen lässt.

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