„Greatest Showman“ – Der High School Musical Circus!

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Dass Hugh Jackman nicht nur als „Wolverine“ Krallen ausfahren, sondern auch singen kann, hat er bereits in „Pan“ und vor allem in „Les Misérables“ unter Beweise gestellt, so gibt er gesangstechnisch auch in „Greatest Showman“ alles. Doch das poppige, bunte und durchaus optisch aufwendig inszenierte Musical über den legendären Zirkus-Erfinder P.T. Barnum krankt an vielen anderen Stellen. Gerade wer die tatsächliche Vita von Barnum durchliest, muss sich fragen, warum bei einer so interessanten Geschichte und einem ebenso vielschichtigen Mann so eine oberflächliche, kitschige und jeglicher Logik entsagende Handlung zusammengematscht wurde. Selbst der Hauch Sozialkritik verpufft total, die wahllos bzw. eher sinnlos herausgepickten Elemente aus Barnums Leben werden mit zwar eingängigen und grundsätzlich hörbaren Popsongs sowie gut arrangierten Tanzszenen optisch und akustisch nett aufbereitet, die Handlung selber ist aber unglaublich langweilig, ohne jeglichen Tiefgang und nicht zuletzt durch die Songs an den unwichtigsten Stellen elendig in die Länge gezogen. Man kann auch Musicals deutlich anspruchsvoller gestalten, die Dramaturgie findet hier leider eher auf dem Niveau der „High School Musical“-Filme statt. Schade!

Inhalt

Mitte des 19. Jahrhunderts will P.T. Barnum (Hugh Jackman) sich, seiner aus gutem Hause stammenden Frau Charity (Michelle Williams) und seinen beiden Töchtern ein extravagantes Leben gönnen und zeigen, zu was er fähig ist. Nach einigen Misserfolgen entpuppt sich eine atemberaubende Show mit Menschen, die zu der Zeit als Kuriositäten angesehen wurden, als absoluter Hit. Während Barnum den speziellen Menschen wieder mehr Selbstvertrauen schenkt und dank der Zusammenarbeit mit dem Theaterautor Phillip Carlyle (Zac Efron) den Erfolg der Show noch weiter ausbauen kann, reicht ihm der Ruhm immer noch nicht. So merkt er gar nicht, dass ihm sogar seine Familie entgleitet.

Review

Mir ist schon klar, dass Musicals anders funktionieren als Filme. Doch bei der Vorlage wäre eben deutlich mehr drin gewesen. Trotzdem setzt man fast ausschließlich auf die bunte, mitunter maßlos übertriebene und bisweilen unerträglich kitschige Inszenierung der Popsongs, die sicher durchaus ins Ohr gehen, aber irgendwie trotzdem nach Musical-Massenware klingen. Dann wird hier extrem auf die Tränendrüse gedrückt, kurz vor Schluss ein wenig Eifersucht-Rückschlag-Krisen-Mimimi eingebaut, damit der Film nicht komplett ohne wirkliche Höhen und Tiefen auskommen muss, und hier und da ein Moment versuchte Sozialkritik eingestreut, weil die „Freaks“ natürlich von einigen Leuten nicht akzeptiert werden wollen. Die eher unschönene Seiten von P.T. Barnum, der in Wirklichkeit sicher nicht vorrangig am Wohbefinden seiner Darsteller interessiert war und deutlich mehr Betrügereien auf dem Buckel hatte, werden hier auf etwas zu viel Durst nach Ruhm, ein wenig vernachlässigte Familie und Freunde und ein paar kleine Betrügereien mit der Bank reduziert, sonst würde er ja nicht mehr als der eigentliche Saubermann mit dem tollen Traum und dem großen Herzen durchgehen, als der er einem hier verkauft wird.

Generell springt die Handlung so oft und hakt Dinge unrealistisch schnell ab, dass kaum ein Charakter wirklich Format bekommt. Egal, ob Zwerg, Riese oder bärtige Lady, alle fühlen sich zwar von der Gesellschaft ausgestoßen, sind aber sofort von ihrem Ausflug ins Rampenlicht überzeugt, ihre unfassbaren Gesangs- und Tanzfähigkeiten haben ja alle im Gepäck, das ist bei „Freaks“ wohl so, und schon dürfen sie ab und zu mal aus der riesigen singenden Masse herausschauen und fertig. Die bärtige Lady bekommt ein wenig Anführerpotential, das war’s dann aber auch. Was hätte man aus den Charakteren alles machen können, den gescheiterten Existenzen, mit Anlaufschwierigkeiten und wirklicher Überzeugungsarbeit von Seiten Barnums, mit tatsächlicher Charakterentwicklung und mehr als buntem Hopsen und Singen. Obwohl der Film eigentlich wohl genau das Gegenteil darstellen will, bleiben seine „Freaks“ bis zum Ende „Freaks“ und eben keine „normalen“ Menschen. Sie taugen zur Unterhaltung des Pöbels, dürfen aber eben nicht auf die gleiche Ebene.

Hugh Jackman darf sich austoben, kann aber aufgrund des limitierenden Skriptes keine wirklich interessante Darstellung des schillernden P.T. Barnum abliefern, Michelle Williams bleibt als seine Frau Charity völlig hinter ihren Möglichkeiten zurück, und auch „High School Musical“-Star Zac Efron darf zwar endlich wieder singen, kann aber aus dem einzigen Charakter mit ein wenig Entwicklung auch nicht wirklich etwas rausholen. Rebecca Ferguson spielt die Opersängerin Jenny Lind eher wie einen Stock und musste das Singen auch noch jemand anderem überlassen, während Keala Settle als bärtige Lady zwar wuchtbrummig auftreten und vor allem inbrünstig singen darf, was aber ebenfalls keine wirkliche Auszeichnung für schauspielerische Leistungen ist.

Letztendlich bedient der Film ganz klar Musical-Fans, die schon als Kinder bei „Starlight Express“ oder „Cats“ stundenlang den eingängigen Songs zuhören konnten und vermutlich die dazwischengeklatschen Handlungsversatzstücke eher als störend empfanden. So wird auch hier alles oberflächlich angerissen, kleine Emotionen zu riesigen Gesangsergüssen aufgebaut, Tiefgang durch Overacting ersetzt und vor allem Logik in der Handlung gar nicht erst für notwendig befunden. Da baut man eben übergroße Elefanten, fast in das Publikum springende Löwen oder die Unempfindlichkeit gegen Feuer in einem komplett brennenden Haus ein, bastelt ein paar Schlüsselmomente mit überzogenem Weltschmerz, Liebesgesäusel oder Familienkitsch zusammen, damit die Songs nicht komplett bezuglos dastehen, und choreografiert so überzogen, dass es optisch zwar nett daherkommt, aber so irgendwie gar nicht in die kleine Manege passen will.

Es wird sicher viele Leute geben, denen gerade diese als große Emotionen verkaufte oberflächliche Gefühlsduselei gefällt und die letztentlich mit Singen und Tanzen völlig ausreichend unterhalten werden, aber bei diesem Film gehöre ich definitiv nicht dazu. Viel mehr würde ich mir jetzt tatsächlich mal ein „echtes“ Biopic über P.T. Barnum wünschen, das hätte in meinen Augen tatsächlich Potential.

Fazit

Ich bin kein grundsätzlicher Gegner von Musicals, aber diese überzogene Darstellung eines deutlich interessanteren als hier dargestellten Charakters wie P.T. Barnum war nicht nach meinem Geschmack. Da helfen auch tolle Choreografien und schmissige Popsongs nicht, um über die Oberflächlichkeit der Handlung und das verschenkte Potential hinwegzutäuschen.

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