„Black Panther“ – Marvels bunte Hommage an Afrika

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Wieder mal ist es ein eher unscheinbarer Film aus dem MCU, der Eindruck zu machen versteht. „Black Panther“ ist ganz klar einer der besseren Filme aus der Reihe und bringt zugleich frischen Wind in Marvels Kino-Universum, doch ganz kann ich den weltweiten Erfolg und die rekordbrechenden Besucherzahlen nicht ganz nachvollziehen. Es ist schon eine Auszeichnung, wenn einem Film von vielen Seiten bescheinigt wird, dass die bisher im Kino nahezu gar nicht vorhandene Darstellung der afrikanischen Kulturen hier dann auch noch so überzeugend umgesetzt worden sein soll. Gerade die Handlungsstränge in Wakanda, die einzigartige Inszenierung der Zeremonien und das Augenmerk auf ein völlig ohne Grund im Kino vergessenes Volk eines ganzen Kontinents sind die Höhepunkte des Films. Schon alleine die Grundidee, dass ausgerechnet bei dem von vielen auf der Welt als rückständiger Ort ohne jegliche Technologie oder nennenswerte Entwicklungen in der Zivilisation gesehene Kontinent Afrika der höchstentwickelte Ort des ganzen Planeten versteckt sein soll, ist schon eine coole Idee. Dass ausgerechnet „Black Panther“, der in „Captain America 3“ recht unspektakulär eingeführt wurde, für so eine interessante Welt stehen würde, hätte man tatsächlich nicht erwartet. Würde er nicht gerade zum Ende hin doch wieder so viele Marvel-Klischees bedienen, hätte dieser Film ein echtes Aushängeschild werden können.

Inhalt

Der auch als Black Panther bekannte T’Challa (Chadwick Boseman) ist zurück in seiner Heimat Wakanda, einem versteckten Staat mitten in Afrika, der dank eines besonderes Rohstoffes zu unglaublichem Fortschritt fähig war, sich aber trotzdem aus den Geschicken der Welt heraushält. Nach dem Tod seines Vaters soll T’Challa die Nachfolge als König antreten, wobei er von fast allen Völkern Afrikas unterstützt wird. Doch der fiese Waffenhändler Ulysses Klaue (Andy Serkis) und der irgendwie mit Wakandas Vergangenheit in Verbindung stehende Erik Killmonger (Michael B. Jordan) bringen diesen Plan durcheinander. Als er auch in Zusammenarbeit mit dem CIA-Agent Everett K. Ross (Martin Freeman) und mit allerlei beeindruckenden Gimmicks aus der Technikschmiede seiner Schwester Shuri (Letitia Wright) den beiden nicht das Handwerk legen kann, sieht er sich plötzlich nicht nur mit dem möglichen Verlust seines Throns, sondern auch mit der Enttarnung Wakandas und vor allem der völlig zweckentfremdeten Nutzung von Wakandas Technologien konfrontiert.

Review

Afrika ist mehr als Wüste und Dschungel, hier gibt weitaus es mehr als Buschmänner und Elefanten! Diese Botschaft will „Black Panther“ in die Welt schicken und scheint es tatsächlich auch in vielen Bereichen zu schaffen. Es wird einem schnell klar, dass Regisseur Ryan Coogler wirklich mit Herzblut zu Werke gegangen ist und sein Hauptaugenmerk auf die würdevolle und stolze Darstellung der Afrikanischen Kultur gesetzt hat. Was man hier zu sehen bekommt, ist tatsächlich optisch beeindruckend inszeniert. Gerade die Verbindung des Entwicklungsstandards Wakandas mit den kulturellen Wurzeln Afrikas funktioniert großartig. „Black Panther“ schafft es, eine völlig neue Welt in das MCU einzugliedern und gleichzeitig als eigenständiger Film zu funktionieren. Dabei setzt er bewusst auf Themen wie Ehre, Tradition, Loyalität und Mitgefühl. Man merkt erst hier, obwohl der Charakter mit „Captain America: Civil War“ bereits seinen ersten Auftritt hatte und die Ereignisse dort auch die Basis für diesen nachgeschobenen „Origin“-Film fungieren, dass sich hinter dem eher als unwichtig belächelten Charakter nicht nur eine wirklich interessante Geschichte versteckt hat, sondern dass gerade dieser Neuzugang die Geschicke im MCU komplett verändern wird. Ein weiter Pluspunkt des Films ist ganz klar der Fakt, dass mit „Black Panther“ nach dem Comedy-Auflügen von „Spider-Man“ und „Thor“ endlich wieder ein ernsterer Ton angeschlagen wird.

Zudem spielt der fast durchweg schwarze Cast wirklich einzigartig. Hier stiehlt letztendlich die Frauriege um „Walking Dead“-Star Danai Gurira, Lupita Nyong’o und Letitia Wright sogar Hauptdarsteller Chadwick Boseman ganz klar die Show und hat die besten Momente des Films. Michael B. Jordan kann als Bösewicht zwar so einige markante Momente verbuchen, doch leider bleibt sein Charakter am Ende leider hinter seinen Möglichkeiten zurück. Ähnlich ist es mit Martin Freeman, der als in Wakanda geheilter CIA-Agent nahezu der einzige Weiße dort ist. Irgendwie gehört er zu schnell dazu, akzeptiert die unglaublichen Offenbarungen zu einfach und kann dem Charakter nicht genug Tiefe verleihen. Die Gastauftritte von Hollywood-Legenden wie Angela Bassett oder Forest Whitaker fügen sich hingegen völlig harmonisch in den ansonsten recht jungen und unverbrauchten Cast ein. Solide abgerundet wird dieser zudem von einem herrlich überdrehten Andy Serkis als Ulysses Klaue und Newcomer Daniel Kaluuya.

„Black Panther“ ist nach „Doctor Strange“ ganz klar mal wieder eine Empfehlung für alle, die glaubten, das MCU hätte nichts Neues mehr zu bieten. Doch leider fällt auch „Black Panther“ zum Ende hin in typische Klischees der Superheldenfilme zurück und kann so den eigenständigen Stil nicht bis zum Ende durchhalten. Zudem stolpert er ein wenig über die Grundthematik, warum Wakanda über Jahrhunderte der weltweiten Unterdrückung von Schwarzen tatenlos zugesehen hat. Die plakative Darstellung des „Helden“ und des „Bösen“ wirkt so fast schon etwas verdreht, wird aber trotzdem nicht befriedigend aufgelöst. Hätte man den Bösewicht nicht gleich wieder übertreiben lassen, wäre sein korrekter Grundgedanke und das wohlmöglich lange Zeit falsche Verhalten von Wakanda noch etwas besser herausgekommen. Trotzdem kann sich Marvel über einige tolle neue Charaktere freuen, die die kommende Schlacht in „Avengers 3“ sicher noch interessanter machen werden. Und die Geschichte Wakandas ist bestimmt auch noch nicht zu Ende erzählt.

Fazit

Dem Solofilm des schwarzen Superhelden „Black Panther“ gelingt es tatsächlich, das MCU kurz vor „Avengers 3“ noch mal mit Schwung und neuen Ansätzen auszustatten. Trotz kleiner Schwächen beeindruckt der Film vor allem mit dem großartigen Einfluss kultureller und traditioneller Elemente Afrikas. Ausgerechnet Marvel setzt dem völlig unterschätzten Kontinent und seinem fast gar nicht im internationalen Kino vorkommenden Volk ein Denkmal.

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