Steven Spielberg – Damals mein Held…

Als Teenager hatte ich zwei große Idole, wenn es um Filmemacher ging: George Lucas und Steven Spielberg! Die machten immer die tollsten, aufwendigsten und revolutionärsten Filme und konnten einen immer wieder mit bahnbrechenden Kassenknüllern ins Kino lockern. Heute sind die beiden irgendwie ein rotes Tuch für mich. Nichts Visionäres mehr, nur noch Merchandise und Fan-Verarsche, zu viele Filmfehler und bewusst unrealistische Szenen sind typisch für ihre neuen Filme. Aber warum und war das damals auch schon so?

Steven Spielberg ist sicher jemand, der das Kino verändert hat. „Der weiße Hai“, „Unheimliche Begegnung der dritten Art“, „Indiana Jones“, „Jurassic Park“, „E.T.“, „Schindler’s Liste“, „Der Soldat James Ryan“ – diese Filme haben sicher wenn nicht sogar die Welt, auf jeden Fall die Filmwelt verändert. Auch als Produzent und Drehbuchautor, Spielberg war immer ein Garant für gutes Kino… bis irgendwann die Qualität auf der Strecke blieb.

Sicher hatten alle seine Filme immer diese bewusste Art, Filmszenen so zu übertreiben, dass ein bestimmtes Publikum direkt angesprochen wurde, aber irgendwann vielen diese Szenen halt auf. „Hook“ mit Skateboards und Basketball war da schon sehr peinlich, aber der Absturz kam für mich mit „A.I.“. Der Film war wirklich klasse und hatte mit dem Roboterkind auf dem Meeresboden auch ein zwar trauriges, aber zur Story passendes Ende. Dann kommen da plötzlich Aliens und schenken dem Roboter einen Holodeck-Tag mit seiner Menschen-Mami! Schrecklich! Der Film brauchte kein Happy-End, Stanley Kubrick, der den Film eigentlich drehen wollte, hat sich sicher im Grab umgedreht.

Special-Effects sind etwas Alltägliches geworden, damit kann man heute nicht mehr alleine punkten. Aber was in den neuen Filmen am meisten nervt, ist Spielbergs krampfhafter Versuch, in jeden Film etwas Kindliches und Familiäres zwischen zu quetschen und am besten jeden Film mit einem kitschigen Happy-End zu versehen. Aber was macht jemand, der sein Leben lang „große“ Filme gedreht hat? Er versucht es mal mit kleinen. Für mich war „Catch Me If You Can“ der beste Spielberg der letzten Jahre, einfach nett, toll gespielt und das alles ohne große Übertreibungen. „Terminal“ versank dann leider schon wieder im Kitsch und „Krieg der Welten“ war an Filmfehlern und peinlichen Szenen dann kaum noch zu überbieten. Schade, ohne Spielbergs krampfhaften Versuch, den „Familienmenschen“ Tom Cruise in den Vordergrund zu stellen, hätte das ein wirklich spannender Alien-Schocker werden können.

Steven Spielberg war nie ein Regisseur für die Kritiker, er war einer für das Publikum, aber das könnte auch mit unterschwelligen Botschaften klarkommen.

Nun warten wir auf „Indiana Jones IV“, dessen Vorgänger für gut gesetzte Gags, übertriebene Action und eine Story jenseits aller Logik perfekt waren. Da passte das halt zusammen, aber heute befürchtet man schon, dass er so peinlich übertreiben könnte, und damit den Kult zerstören könnte. Hier sicher doppelte Gefahr, denn George Lucas ist ja mit an Bord, und der hat mit seiner neuen „Star Wars“-Trilogie wirklich fast das ganze „Star Wars“-Universum zerstört. Aber man soll die Hoffnung nicht aufgeben.

Wie steht ihr zu Spielberg und habt ihr heute eine andere Meinung als früher? Sind seine Filme schlechter geworden oder ist man erst jetzt in dem Alter, dass einem die Schwächen auffallen?

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4 Kommentare

  1. Ich bin grad am überlegen, ob nicht alle seine Filme immer so waren. Es war immer etwas kitschiges drin. Bei Indy fällt mir da aber spontan nur das komische Kind mit den Klötzen an den Füßen zum Auto fahren…

    Filmfehler gabs bei Spielberg wohl schon immer, denken wir mal an den plötzlich existierende Abgrund in „Jurassic Park“… Ein Happy End war irgendwie auch immer dabei, wobei ich da mal „Schindlers Liste“ bewusst nicht berücksichtige. Somit ist eigentlich nichts neues in der Machart von Spielberg. Bei „E.T.“ war Familienkitsch zu sehen. Ich glaube daher eher, dass man sich selber geändert hat und Spielberg sich halt nicht weiterentwickelt hat. Eher zurückentwickelt, wenn man bedenkt, dass er nachträglich die Waffen aus „E.T.“ rausgenommen hat… Freuen wir uns also auf den Recut von „Jurassic Park“, wenn die Dinos Schnuller kriegen und ne Synchronstimme…

  2. ich denke nicht, dass seine filme schon immer dermaßen auf kitsch und happyend gesetzt haben, aber größtenteils wohl schon. man kann ihm zugute halten, dass er wirklich für die filmwelt viel in sachen spezialeffekte getan hat, aber damit kann er heutzutage leider nicht mehr trumpfen. viele seiner älteren filme sind meiner meinung nach trotzdem nicht wirklich schlecht… aber „fun scenes“ à la george und familienidylle versalzen einem die suppe dann meistens doch. „duell“ finde ich klasse, einfach und glaubhaft. „der weiße hai 1“ ist auch gut, „jurassic park 1 & 2“ ebenfalls, wenn da auch schon wieder wirklich störende sachen drin sind wie der erwähnte abgrund, der vermutlich mit zu den größten frechheiten der kinogeschichte gehört. „unheimliche begegnung“ ist auch okay. man muss ihm lassen, dass er blockbuster taugliche interessante themen aufgreift, die selbst, wenn er den film versaut, trotzdem ein wenig interessant sind. „a.i.“ ist ein okayer film, das ende zerstört ihn. „krieg der welten“ hat auch tolle momente, die szenerie ist toll, die drehbuch- und regiearbeit aber mies. und der miese geschmack überwiegt bei seinen neueren filmen in der regel. ich würde also nicht sagen, dass spielberg nur mist macht, er hat immer interessante geschichten, die er aber durch zuviele fehler und kitsch unerträglich macht. schade!

  3. Ich glaube eher das wir uns verändert haben, außerdem ist nicht in jeden spielberg-film kitsch und happyend. Zum beispiel Münschen war kein habbyend.

  4. Mr. Alien schlägt wieder zu: Anscheinend plant Sender TNT eine neue Serie mit Spielberg. Thema: Klar, Aliens… Die Serie soll sich wohl darum drehen, was sechs Monate nach einer Alien-Invasion auf der Erde passiert.

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