„Der goldene Kompass“ – Orientierungslosigkeit

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Der enorme Medienrummel und die Werbemaschinerie hat versucht einem zu suggerieren (sogar dreister Weise offiziell in dem Teaser), mit der „Dark Materials“-Trilogie würde ein neuer „Herr der Ringe“ in die Kinos kommen. Dass das kaum einer glauben wollte, war natürlich mehr als berechtigt. Doch dass der Film wenig besser als der „König von Narnia“ geworden ist, ist schon enttäuschend. Weder die Welt noch die Charaktere oder aber die Handlung konnte überzeugen: Die 113 Minuten Spielzeit sind eigentlich ja auch schon Indiz für einige Mängel gewesen.

Inhalt

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In einer Parallelwelt, die unserer zu Beginn des 20. Jahrhunderts ähnelt, aber auch magische Elemente enthält, lebt das Mädchen Lyra in Oxford, wo unter mysteriösen Umständen Kinder von so genannten Gobblern entführt werden. Ihr Onkel macht sich auf eine Expedition in den Hohen Norden, um dem rätselhaften „Staub“ auf die Schliche zu kommen. Nachdem Lyra ein Alethiometer (der titelgebende Kompass) erhält, welches allein sie nach der Wahrheit der Dinge befragen kann, gelangt sie ebenfalls nach Norden, um die gefangenen Kinder zu retten. Dabei begleitet sie ihre Seele in Tierform (jeder Mensch in dieser Welt besitzt eine solche), trifft auf sprechende Panzerbären, Hexen und viele Gefahren …

Review

Dakota Blue Richards (Lyra) bietet dabei leider wenig Identifikationsgrundlage; sie ist störrisch, arrogant und unvorsichtig ohne Ende. Und sie hat eine ziemlich nervige Synchronstimme, ihr Dämon ebenfalls. Andere Darsteller wie Nicole Kidman, Daniel Craig oder gar Eva Green und Sam Elliot bekommen leider extrem wenig Leinwandzeit (und auch Daseinsberechtigung; insbesondere Greens und Elliots Charaktere habe ich nicht verstanden) und können gar keine großen Leistungen abliefern. Schade, denn dies führt unter anderem dazu, dass es ein reiner Kinderfilm geworden ist. Dies merkt man auch in den (wenigen) Actionszenen. Sehr kindgerecht wird hier gekämpft, wer auch nur auf den Schatten eines einzigen, kleinen Bluttropfens wartet, wartet vergeblich. Bis auf eine einzige extrem brutale Sequenz bei einem Bärenkampf, die gerade aufgrund des sehr harmlosen Umfelds doch stark herausstricht, ist es sehr sonderbar, dass der Film ab 12 ist. Gerade, wenn „Narnia“ oder „Harry Potter 2“ eine FSK-6-Freigabe erhalten haben, und die waren allemal brutaler und auch deutlich unheimlicher. Auch der Trailer (der noch mit der epischen Musik von „Lady In The Water“ trumpfen konnte) schien mir eher auf einen erwachseneren Stil hinzudeuten, nicht zuletzt aufgrund der Darstellerwahl. Aber nichts da, manchmal kommt man sich fehl am Platz vor, wenn der Dialog auch aus „Wilde Kerle“ kommen könnte. Dazu die ganze Zeit noch putzige, sprechende Tiere.

Positiv waren ein paar Landschaftsaufnahmen. Der Rest der Inszenierung wirkte sehr unzusammenhängend, unlogisch, unmotiviert und wenig verständlich. Die Effekte der zahlreichen Tiere waren auch eher unter dem Durchschnitt. Und nach dem wer weiß wievielten Mal, wo der Bär in Großaufnahme in die Kamera brüllt, kommt dann doch Langeweile auf.

Wer auf irgendwas Episches oder Düsteres oder so hofft, wird gnadenlos enttäuscht: Episch ist weder die Handlung noch die Kämpfe, die Szenerie oder die Thematik.

Am schlimmsten fand ich aber, dass alle Gruppen oder Personen nicht nur nicht wirklich Funktion hatten, sondern sich auch nicht erklärt haben und ihr Handeln meist widersprüchlich war und wenig logisch. Was sind jetzt die „Gypter“, „Panzerbären“, „Dämonen“, das „Magistrat“, „Gobbler“, „Hexen“, „Diese-da-mit-den-Wölfen“ nun eigentlich genau, warum wuseln die alle überall mal mit herum und vor allem: Was wollen sie? Hin und wieder fliegen die Hexen durch die Gegend und reden von einer Prophezeiung, der politische Ansatz des Magistrats geht völlig verloren, die Ähnlichkeiten und Unterschiede zu unserer Welt sind mir nicht klar geworden (sind die Gypter unsere Ägypter?) und generell wirkte diese Welt weder komplex noch reich an Fantasy. Auch die musikalische Untermalung trägt in keiner Weise dazu bei, dass mal etwas wie Atmosphäre auftaucht.

Das Drehbuch ist lückenhaft und absolut ungradlinig. Die Handlung wirkte teilweise so, als hätte man eine Filmrolle vergessen. Man hatte stets das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Ich wusste nicht einmal, um was es jetzt in erster Linie geht. Ich dachte, das Hauptthema des Films sei das Mysterium um den „Staub“, die Hexenprophezeihung und den Kompass. Ich dachte, das Ziel wäre herauszufinden, was das nun alles genau ist und wie es zusammenhängt… nicht, dass das Kinderretten Ziel ist, dafür wurde das doch so gut wie nie angesprochen. Auch dachte ich, dass die Hexen und Gobbler nun zum Schluss zumindest erklärt werden (wenn sich schon eine gigantische Hexenarmee sammelt) und noch eine größere Rolle spielen; dass sich irgendwas zusammenbraut. Insofern war ich doch sehr verblüfft, als der Film plötzlich beendet war, ohne für mich ein wirkliches Ende zu haben. Selbst für einen ersten Trilogieteil war das sehr unzufriedenstellend (zumal das Buch angeblich noch weiter geht). Auch die ganze Nebengeschichte der Bären hatte so absolut gar nichts mit dem Hauptplot zu tun, noch hat man verstanden, was die Bären nun eigentlich sind/wollen/für eine Bedeutung in der Welt haben. Aber man hat dieser viel Zeit gegeben (verhältnismäßig in einem so kurzen Film).

Fazit

Abschließend lässt sich also leider nur sagen, dass sich der „Kompass“ auch in die schlechten Fantasyfilme nach „Herr der Ringe“ einreiht und seinen Platz neben „Narnia“, „Eragon“ und dem „Sternwanderer“ (der ja immerhin die Ausrede hat, halb Parodie oder Komödie zu sein) einnehmen muss. Er war wohl aufgrund einiger Kleinigkeiten ein wenig besser als eben genannte Filme, aber leider nicht viel. Schade, ich hatte nichts Großes erwartet, aber dann doch ein klein wenig mehr.

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9 Kommentare

  1. Tja, stimmt schon, der „Kompass“ ist zwar etwas besser als „Narnia“ oder „Eragon“, aber schon ein ganzes Ende schlechter als „Der Sternwanderer“. Offensichtlich bleibt weiterhin der Fluch, dass nur jeder zehnte Fantasyfilm gelingt. Wobei ich von diesem Film nicht viel mehr erwartet habe, ich wurde also nicht enttäuscht, aber leider auch in keiner Form positiv überrascht. Es war einfach alles so zusammenhanglos und kindlich, unlogisch und oft fast sogar langweilig. Warum sind die Bären nicht mit in den Kampf gezogen? Vermutlich weil sie sich auch da wieder so unglaublich dumm verhalten haben, wie den ganzen Film über. Und das Kind hat mich auch wieder genervt. Offensichtlich müssen Kinder immer rebellieren, aber so blöde, dass sie sich und alle anderen ständig unnötig in Gefahr bringen, kann nicht dazu führen, dass man sich mit dem Kind identifizert. Wobei die Erwachsenen, die immer versprechen aufzupassen, sich auch nicht gerade mit Ruhm bekleckern. Außerdem sahen die Animationen mal wieder viel zu sehr nach Animationen aus…

    Die Kritikliste lässt sich noch deutlich länger fortsetzen, allerdings gab es auch schon schlimmere Fälle von Fantasy-Murks. Aber ich würde niemandem den Film empfehlen, den „Wie? Das ist ein Mehrteiler?! Wieso hört das denn da jetzt auf???“-Effekt im Kino habe ich selten so stark erlebt. Vielleicht geben die anderen Teile mehr Informationen, bieten den vermutlich gar nicht so uninteressanten Charakteren und Völkern mehr Raum und schaffen es, den kindlichen Touch abzulegen, dann könnte man sich das Ganze vielleicht am Stück mit allen Teilen ansehen. Dieser Film alleine ist meiner Ansicht nach das Geld dann aber doch nur begrenzt wert…

  2. Ich war positiv überrascht vom Film. Ich habe absoluten Mist wie Narnia erwartet und bekam einen durchschnittlichen, vielleicht auch etwas schlechter, Film der für Kinder gedacht ist.
    Die Darsteller hatten recht wenig Spielraum, trotzdem zeigten sie ihren eigenen Charme. Dies hatte Narnia nicht erreicht, weil da einfach keine guten Schauspieler waren. Gerade Nicole Kidman(imo eine der größten Schauspielerinnen Hollywoods unserer Zeit) wertete den Kinderfilm deutlich auf, alleine schon aufgrund ihrer Anwesenheit.
    Ich persönlich fand den Film für einen Kinderfilm recht düster. Ich stimme natürlich zu, dass man kein Blut sah, aber mein Gott, es ist immer noch ein Kinderfilm. Ich fand es alleine schon krass, dass Menschen erschossen worden und zwar zahlreiche. Narnia war schon recht heftig, dass ein FSK 6 Film den Krieg in Ansätzen thematisiert, aber da waren es wenigstens nur Fabelwesen, die sterben mussten. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, weswegen berechtigterweise „Der Goldene Kompaß“ ein FSK 12 bekommen hat. Vergleicht man ihn mit den FSK 12 „Herr der Ringe“ Filmen, ist es schon krass, was alles unter FSK 12 noch reinpasst, was definitiv FSK 16 sein sollte, aber das ist ein anderes Thema.

    Fazit: Wer seine Erwartungen so weit runter schraubt, könnte von dem Film unterhalten werden, wirklich gut oder gar herausragend wie “ Herr der Ringe“ ist er natürlich nicht.

  3. Also ich kann mich keiner Meinung von Euch anschließen. Ich wusste auch nicht worum es in dem Film überhauüt ging, aber er hat mich im Nachhinein sehr wohl mehr als nur ein wenig angesprochen. Ich vermute der Fehler liegt in eurer gnadenlosen vernunftbedingten Auseinanderpflückung eines auf Kinder ausgerichteten Werkes. Dies soll heißen das Euch im Vergleich zur Zielgruppe anscheinend jegliche Fantasie fehlt, als auch die Eigenschaft euch trotz eurem wohl schon fortgeschritteneren Alters, ein Teil des Kindes zu bewahren, das ihr einmal selbst gewesen seid. Es tut mir Leid wenn es euch nach euren Maßstäben schwerfällt vielleicht einfach einmal hinter diese Realität zu blicken. Wer seid ihr um anzuzweifeln das es so etwas nicht geben kann?. Nur weil eure Augen es euch glauben lassen? Der Verstand und die Logik jegliche Möglichkeit verbieten?

    Nur weil eure Sinne euch dies alles Denken lassen? Wie könnt ihr sicher sein das sie vollkommen funktionieren? Das sie nie getäuscht werden können? Wo es doch so einfach ist.

    Ein Beispiel aus dem Film „Sofies Welt“ sollte euch aufzeigen was ich meine.
    Dort wird erklärt das die Sinne sich immer täuschen können.Weil man, wenn man z.B. eine rote Brille aufetzt die Welt in rötlichem Licht sieht. Doch ist die Welt deswegen noch lange nicht Rot. Egal was deine Sinne dir vorgaukeln mögen.

    Und so ist es auch hier. Eure Sinne und eure Erfahrungen müssen nicht richtig sein, sie können genauso einfach getäuscht werden.

    Und natürlich ist es ein einfaches alles und jeden Fantasiefilm mit dem ach so hoch gelobten Herrn der Ringe zu vergleichen. Was ich als wirkliches Armutszeugnis dieser Gesellschaft ansehe. Warum erkennt keiner von Euch das man manche Filme einfach nicht vergleichen KANN.

    Diese Filme handeln von etwas ganz Anderem als HdR. Und außerdem scheint ihr selbst nicht einmal die Botschaft aus HdR zu verstehen. Es geht nämlich nicht einfach nur um Elben, Orks und sonstigen Wesen. Tolkiens Idee dahinter war sicherlich nicht, das man sein Werk (sei es als Buch oder Film) derartig unter Wert behandelt.

    Denn er, der im vorletzten Jahrhundert geboren wurde hat eindeutig die Schwächen, Ängste und Probleme der Menschheit im Sinn gehabt. Er wollte aufzeigen wie Macht zu Kopf steigen kann, wie einfach es zu Krieg kommt.. all die Probleme die Damals wie auch Heute aktuell sind. Und er hat sicherlich auch einen philosophischen Hintergrund im Sinn.

    Und nichts anderes ist es in diesen sogenannten „schlechten“ Filmen. Sie enthalten genau diese Schwächen und Ängste und zeigen Dinge auf die schon seit tausenden von Jahren von Menschen erlebt werden. Oder wie lässt sich erklären, das die Daemonen den Kraftieren aus der indianischen Mythologie/Schamanismus gleichen.

    Haben all diese Leute einen Knacks? Weil sie an Dinge glauben, die für euch nicht existent zu sein scheinen?

    Und was das „Ende“ betrifft. Warum erwartet ihr das euch alles vorgekaut wird? Wieso ist ein „Cliffhanger“ so schlimm? Habt ihr keine Fantasie um euch selbst vorzustellen wie es ausgeht? Kein Interesse gerade weil es angesprochen wird heraus zu finden was „Staub“ ist? Wo ist die kindliche Neugier hin zu erförschen?

    Ich finde es langweilig mir alles vorreden zu lassen, alles gezeigt zu bekommen. Dann ist der ganze Reiz verloren gegangen. Das ist wie wenn man bevor man ein Buch beginnt, die letzte Seite liest um heraus zubekommen wie es ausgeht.

    Ich bin der Meinung der ist Film super gelungen. Und für die die sich mit diesem Thema beschäftigen und interessiert an der Möglichkeit sind, das andere Welten existieren ist dieser Film ein Gewinn.

    Mir scheint als seid ihr einfach schon zu verwöhnt mit Filmen aus großen Studios. Aber lasst euchsagen Weniger ist oftmals viel viel mehr als ihr zu wissen meint.

    Dennoch einen angenehmen Abend

  4. Ich denke, dass viele von uns, gerade weil wir uns mit Filmem beschäftigen, uns ein wenig von der Kindheit bewahrt haben. Es mag bestimmt sein, dass man Filme stark auseinanderpflückt, weil man schon so viele gesehen hat. Man wird halt kritischer. Aber ich finde, dass ein Film gerade gut gemacht sein muss, damit man sich in ihm reinfühlen kann und wieder „Kind“ sein kann. Bei „Sternenwanderer“ konnte ich mich in die Geschichte verlieren, hier bei dem „Goldenem Kompaß“ aber eher nicht, aber auch das ist ja eher Geschmackssache. Auch stimmt es, dass z.B. der „Goldene Kompaß“ Botschaften beinhaltet, aber nur weil Werte wie Freundschaft oder Sozialkritisches rüberbringt, muss er nicht unbedingt gut sein. Aber wie ich oben beschrieben habe: Jeder schaut Filme ein Stück weit anders. Es ist halt Geschmackssache.

  5. @Megan:

    Schön zu sehen, wenn sich hier Leute trauen, andere Meinungen zu vertreten und dies sogar detailliert ausführen. Nur so kommen gute Diskussionen auf höherem Niveau zustande!

    Aber ich muss dir leider widersprechen; ich denke nicht, dass du uns richtig beurteilt hast.

    Dass man im Film die ganze Zeit nicht recht wusste, worum es geht, fand ich schlichtweg dürftig strukturiert bzw. konstruiert (nur als Beispiel: die Eisbären-Nebengeschichte war viel zu lang, da sie noch nicht einmal Bedeutung für die Gesamtgeschichte hatte. Zusätzlich fragte man sich, warum die Eisbären im finalen Kampf nicht auftauchen. Das wäre nur konsequent gewesen und hätte deren langen Nebenpart gerechtfertigt).

    Ich habe keine Probleme mit Cliffhangern, im Gegenteil. Wenn sie gut gemacht sind, sind sie oft die bestmöglichen Enden (z.B. fand ich die Enden von „Fluch der Karibik 2“ oder „Matrix 2“ richtig gelungen. Von vielen habe ich gehört, dass sie diese Enden furchtbar fanden). Ich bemängele also keinen Cliffhanger an sich, sondern dass man bei „Der goldene Kompass“ nicht das Gefühl hatte, dass ein Teil abgeschlossen wurde. Dass diese Rettung im Vordergrund stehen würde, wurde im Film nicht genügend ausgebaut. Das Kind hätte beispielsweise viel öfter darauf hinweisen können, dass es in erster Linie die anderen Kinder retten will. Aber ich hatte das Gefühl, dass der Staub, die Hexenansammlung und das Eisbärenabenteuer auf etwas anderes hingedeutet haben, als man letztenendes mit dem Finale bekommen hat. Daher war das meiner Meinung nach kein guter Cliffhanger am Ende eines zufriedenstellenden Films, sondern ein unerwartet abruptes Ende, ohne dass man das Gefühl hatte, der Film würde einen Teil der Trilogie darstellen, der auch alleinstehend funktioniert. Denn das sollte ein solcher tun; insbesondere für einen ersten Trilogieteil kam mir da zu wenig. Ich bemängele also das ungeradlinige, fragmenthafte und zusammenhanglos wirkende Drehbuch, das in einem unbefriedigenden Ende, von dem durch die Führung durch den Film mehr erwartet hätte, endet.

    Du stimmst ja in dem Punkt mit mir überein, dass der Film zweifellos auf Kinder ausgerichtet sei. So weit, so gut. Wenn man dementsprechend wirbt (Siehe „Tintenherz“ oder „Die Geheimnisse der Spiderwicks“, die ich mir gerne angesehen habe), erwartet man als erwachsene Person auch nicht mehr und kann sich so einen Film in Ruge ansehen. Den Vergleich zu „Herr der Ringe“ habe aber nun nicht ich in die Welt gesetzt, sondern „New Line Cinema“ persönlich. Da dreht sich in dem Trailer der eine Ring und verwandelt sich in den Kompass, während eine Stimme etwas erzählt von wegen „Nach dem „Herr der Ringe“ nun das neue große Fantasy-Epos“ oder so ähnlich. Ich betone noch einmal, dass ich auf so etwas nicht hereingefallen bin, es aber dreist ist, einen Kinderfilm als Fantasyfilm für ältere zu bewerben. Denn dass es ein so reiner Kinderfilm geworden ist, habe ich dann doch nicht erwartet. Der Trailer suggerierte einem anderes, die Werbung ebenfalls und nicht zuletzt hat die Starbesetzung und die FSK-12 Freigabe (die mit der von „Herr der Ringe“ kongruiert und die bei „Narnia“, „Harry Potter 2“ und Co. eben nicht vorhanden war) haben anderes erwarten lassen. Das fließt natürlich mit in die Kritik ein. Würde man den Film als FSK-6-Kinderfilm bewerten, sähe die Sache anders aus. Aber in einem FSK-12-Film kann man schon ein wenig mehr zeigen, Charaktertiefe entwerfen oder die Dialoge nicht dermaßen kindlich gestalten. Aber in dem Punkt, dass der Film ein Kinderfilm war, widersprichst du mir ja auch gar nicht.

    Ich will hier auch gar keine Lobrede für den „Herr der Ringe“ beginnen (obwohl er es jederzeit verdient hätte), aber der Vergleich scheint dich zu stören. Nur soviel: Egal, ob man ihn mag oder nicht, ist es eines der (wenn nicht DAS) von den riskantesten, detailliertesten, revolutionärsten, gewagtesten und aufwendigsten Produktionen der jüngeren Filmgeschichte gewesen; und wer sich ein klein wenig mit dieser Produktion befasst hat, wird dies nicht bestreiten, egal ob einem der Film gefällt oder nicht. Und bis jetzt ist es leider der einzige Fantasyfilm für ein erwachseneres Publikum. Meiner Meinung nach ist es also kein Armutszeugnis, in dem Fantasygenre zu den anderen Werken Vergleiche herzustellen; bzw. sogar unabdingbar, da der Film mit einem Vergleich zu diesem beworben wird. Natürlich sind das zwei unterschiedliche Filme; dennoch kann man grundsätzlich alles mit allem vergleichen. Mann muss nur sinnvolle Anhaltspunkte heraussuchen.

    Ich kann mir auch nicht verkneifen, dass Tolkien im Vorwort zu „HdR“ sehr deutlich sagt, dass der „Herr der Ringe“ eine Mythologie für England werden sollte und NICHT als Metapher für irgendwelche Geschehnisse in der Realität interpretiert werden soll, denn dies sei er eben nicht. Dass es natürlich um Charakterstärken und –schwächen geht, und dass man natürlich einige Botschaften und Lehren aus dem Buch ziehen kann, steht außer Frage. Dennoch wollte Tolkien einfach nur eine Mythologie erschaffen und keinen philosophischen Ratgeber.

    Dann gehst du sehr lange darauf ein, dass wir anscheinend zu vernünftig an die Sache herangehen, zu wenig Fantasie besitzen und uns nicht mehr als Kind fühlen könnten. Und hier muss ich dir vehement widersprechen. Wie „Bateman“ bereits angedeutet hat, trifft dies gerade auf Fans von Filmen und Fantasy nicht zu. Ich weiß nicht, wo du in der Kritik Anhaltspunkte dafür gefunden hast, wir gingen zu rational an die Sache heran oder hätten zu wenig Fantasie. Denn gerade das ist schlichtweg nicht der Fall, wenn man (wie ich) ein großer Fan vom Fantasie-Genre oder generell übernatürlichen Dingen ist. Ich habe auch nirgendwo behauptet, etwas an der Fantasy sei unlogisch; nur die Handlungsweisen der Personen sind es bzw. die Welt ist in sich nicht schlüssig oder schlichtweg nichts tiefgehend durchdacht. An der Fantasy habe ich nichts zu meckern, diese ist ja der Grund, sich den Film anzusehen. Ziel ist es also, sich in einer anderen, „unsinnigen“ Welt zu verlieren. Die Sinne zu täuschen, ist ja u.a. Ziel der Fantasy. Also natürlich habe ich mit den Gegebenheiten in einem Fantasyfilm keine Probleme. Nur, wenn die Elemente beliebig und wahllos scheinen.

    Deinen letzten Satz habe ich nicht ganz verstanden, denn gerade der „Goldene Kompass“ kommt aus einem großen Studio (dem gleichem wie „Herr der Ringe“). Unabhängig davon haben sich meine Vorlieben der letzten Jahre stark gegen die großen Studios entwickelt; für einen Fantasyfilm braucht man allerdings schlichtweg Geld. Dass weniger also oftmals mehr ist, ist mir also nicht nur nicht unbekannt, sondern ich vertrete diese Haltung schon länger. Aber wie gesagt, den „goldenen Kompass“ als Beispiel für ein Film aus einem nicht so großen Studio zu nennen, hinkt stark.

    Also ich hoffe, dir ist meine Intention jetzt vielleicht ein wenig deutlicher geworden. Dass der Film zweifellos interessante Ideen und Ansätze hat, ist wohl korrekt. Aber das reicht für einen gelungenen Film leider nicht aus, wenn dies schlecht umgesetzt wird.

    Also danke für deine interessanten Anstöße, weiter so!

  6. Hmm, ich denke auch, dass wir wohl die falschen Leute sind für den Vorwurf, Fantasy nicht schätzen zu können. Ich liebe Fantasy, sowohl im Film als auch in Büchern, daher bin ich ja immer so enttäuscht, dass die meisten Fantasyfilme mich eben nicht dermaßen begeistern können, wie es Fantasy normalerweise kann.

    Und ja, man geht deutlich analytischer und vielleicht auch eingeengter vor, wenn man einen Filmblog betreibt und sich generell mehr mit Filmen auseinander setzt als nur zur einfachen Unterhaltung, aber trotzdem kann ich auch nur sagen, dass sich das Kind in mir in Verfilmungen wie z.B. „Spiderwebs“ viel besser amüsieren kann, als in diesem Fantasy-Epos-Versuch und wenn ich für fantastische Welten nicht so viel übrig hätte, würde ich natürlich in solche Filme gar nicht gehen.

    „Der Goldene Kompass“ ist einfach nicht groß genug, um dem Rummel gerecht zu werden, der darum gemacht wurde. Aber wie schon in meinem ersten Kommentar erwähnt, werde ich mir die beiden Fortsetzungen sicher ansehen, Potential ist da, aber irgendwie konnte dieser Film mich auch nicht überzeugen.

    Aktuell bin ich sehr auf „Tintenherz“ gespannt, man soll die Hoffnung auf gelungene Fantasyfilme ja nicht aufgeben…

  7. Kein Film für Kinder ! Wieso?
    Nicht wg. der Gemetzel am Schluss wo sich zahlreich menschengleiche Wesen in Goldstaub auf lösen.
    Ich weiß ich bin altmodisch.
    Der Film ist unmoralisch im folgenden Sinn:
    Mind. zweimal handelt das Mädchen in einem Verrat-Handlungs-Muster.
    Sie gaukelt dem Eisbärenkönig in listiger, betrügerischer Absicht etwas vor… sie sei ein — wie schreibt man das ? — Dämon.
    (N.B. Für mich wurde kein Rücksicht auf die urspüngliche Bedeutung dieses Klanges genommen, IMO sehr schlechte Eindeutschung /Übersetzung.)
    Damit dieser Bär in den Kampf zieht.
    Am Ende..
    Als die böse N. Kidman den Kompass durch eine beschützende, liebevolle Haltung bekommen will, lässt das Mädchen sie ohne Skrupel die Blechschachtel mit dem todbringenden Blechinsekt öffnen. Und zwar ohne das die gezeigte liebevolle Handlung durch einen verräterischen Hinweis demaskiert würde. Wie sich das nach meinem Verständnis für jeden einen anständigen Film gehören würde.
    Wie es auch im Märchen allermeistens geschieht, dargestellt wird.

    Ich habe einen heiligen Respekt vor Drehbuchschreibern/innen.
    In diesem Fall freue ich mich ein Weiteres zu sehen was nicht optimal ist:
    Wenn das Böse, die zentrale Frage hier die Trennung der Kinder von ihren ?? Seelentiere oder so war —
    wieso wird dann in der Schlussepisode nicht mit einigen Zeichen/ Blitzlichtern, die „Wiedervereinigung“ das Ganzwerden der gewaltsam getrennten Teile gezeigt?
    Und das muss IMO auch oder gerade in einem reinen Kinderfilm geschehen

    Am Ende hatte ich kurz das Gefühl eines Endes, aber das wurde mit mehreren Szenen wieder weggewischt, so als ob man ja dieTür für eine Fortsetzung aufsperren wollte.

    Soweit mal mein unvollständiger Senf dazu,
    mit den besten Wünschen für exzellente Zeiten
    Petar

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