„Max Payne“ – Rache ist Blutwurst!

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So langsam klingt das Kinojahr 2008 aus und die letzten, lang erwarteten Blockbuster kommen endlich auf die Leinwand. Obwohl er eine Computerspielumsetzung ist, gehörte „Max Payne“ für mich auch zu diesen besagten Filmen, da ich das Spiel kannte und sehr gespannt war, was man aus der Vorlage gemacht hat. Jedoch muss ich sagen, dass ich Scott Miller Recht geben muss, aber dazu später mehr.

Der Film beginnt da, wo auch der Trailer schon begonnen hat, in einem eiskalten Hafenbecken, in dem Max Payne (Mark Wahlberg) um sein Leben ringt. Doch wie kam es dazu?
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Der Film orientiert sich schon am Spiel, doch ist die Story sehr stark vereinfacht. Max arbeitet beim NYPD anstatt undercover beim DEA, B.B. ist Sicherheitschef bei Aesir und nicht Max‘ Kontaktmann, sowie Alex Max‘ alter Partner ist. Hier muss man wirklich sagen, dass aus B.B.’s Cahrakter eine viel zu große Rolle gestrickt wurde, obwohl er im Spiel Max schlichtweg einfach nur verkauft. Natasha existiert in dieser Weise überhaupt nicht im Spiel. Monas Schwester heißt dort Lisa Punchinello, die Frau des Don, die als Hexe bezeichnet wird. Jack Lupino ist im Spiel ein durchgedrehter Psychopath, wobei er im Film als Kopf der Drogenproduktion daherkommt.
Auch die Schauplätze wurden zwar vom Namen her verwendet, aber auf große Ähnlichkeit wurde nicht wirklich wert gelegt. So ist der Nacht-Club „Ragna-Rock“ irgendein verlassener Lagerschuppen, anstatt eine alte gothische Villa und auch das Hauptquartier der Aesir Corp gibt nicht viel her, besonders in Hinblick auf das Finale des Spiels.
Dinge, die komplett gestrichen wurden ist die gesammte Verbindung zur Mafia, das Projekt „Valhalla“ mit „Cold Steel“ als dem Ort der Enthüllung, Alfed Woden sammt Inner Circle und Max‘ Traumsequenzen. Auch viele symbolische Elemente wie der Sturm, der kontinuirlich wütet, und auch andere mythologische Aspekte wurden rausgeschmissen.
Der Begriff der Walküre wurde jedoch beibehalten und in dem Sinne erweitert, dass die Junkies haluzinieren und dabei glauben, sie würden von Walküren getötet. Diese Verbindung zur nordischen Mythologie wird im Film von einem Tätowierer erläutert. Hier kommen wir dann zu einem weiteren Kritikpunkt, zu wenig Off-Text. Der Film beginnt zwar mit einem Monolog von Max, allerdings wird dieses Stil-Element im Weiteren nicht mehr aufgegriffen. Man hätte den Film viel klarer gestalten können, kämen ab und an mal ein paar Erklärungen zu Personen oder Geschehnissen von Max aus dem Off. Auch die „Bullet-Time“, die extrem verlangsamte Zeitlupe, kam nicht ausreichend zum Einsatz.

Auch Scott Miller, Geschäftsführer von 3DRealms, die das Spiel produziert haben, hat keine besonders netten Worte für den Film übrig. So bemängelt dieser ebenfalls die Massen von Unstimmigkeiten zum Spiel und in der Film-Story in sich. So wüsste das Publikum bis zur Mitte des Films überhaupt nicht was Max antreibt und macht es so schwer sich mit diesem zu identifizieren. Auch war der Tod von Jack Lupino, der durch die Droge eigentlich ein Super-Soldat sein sollte, mit einem Schuss viel zu einfach und noch dazu nicht einmal von Max selbst. Er bemängelte ebenfalls die oben erwähnte Änderung an B.B.’s Rolle.

Dann muss ich noch ein paar Worte zur deutschen Lokalisierung verlieren. Die Stimme von Wahlberg, die beispielsweise schon in „The Happening“ zum Einsatz kam, passt einfach nicht zum Charakter des Max Payne. Hier hätte wie schon im Trailer eine dunklere Stimme ausgewählt werden müssen. Auch wurde irgendwie nicht klar, dass auch Payne’s Baby ermordet wurde. Ich könnte mir vorstellen, dass das eventuell für die deutschen Kinos geschnitten wurde. Falls nicht ist das auch noch ein grober Schnitzer.

Ich kann Miller nur zustimmen. Das was Regisseur John Morre abgeliefert hat, ist eher schwach, wenn man bedenkt welches Potential vorhanden war. An vielen Stellen hatte ich den Eindruck man konnte der Story überhaupt nicht mehr folgen, wenn man das Spiel nicht gespielt hat. Es war auch viel zu schnell klar wer nun Dreck am Stecken hatte, als dass wirklich Spannung aufkommen würde.
Von mir daher 3 Sterne. Der Film ist sicherlich nicht schlecht, aber er hätte meiner Meinung auch das Zeug zu 5 Sternen haben können.

Offizielle Website zum Film
Artikel zum Kommentar von Scott Miller

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4 Kommentare

  1. Also ich fand den Film recht enttäusched. Verglichen mit Computerspielverfilmungen von Uwe Boll ist er natürlich noch ganz gut, aber irgendwie war die Story mau, die Darsteller blass und auch der optische Stil leider auch nicht durchgehend gut. Die Animationen von den Walküren waren allerdings nicht schlecht.

    Und wer „Prison Break“ kennt, dem wollte der „Supersoldat“ auch nie so wirklich böse erscheinen, schließlich kannte man Amaury Nolasco doch eher als Sucre aus eben genannter Serie…

    Auf jeden Fall kein Film, den man im Kino sehen muss, die DVD hätte es da auch getan…

  2. Der Film hat eigentlich gehalten, was der Trailer versprach: Nicht besonders viel. Als ich neulich zugesehen habe, wie man das Spiel durchgespielt hat, dachte ich mir bereits: „Hm, das soll nun die angebliche Tiefe und Komplexität sein? Für einen Film wäre das ziemlich mau…“ Und jo, ich fühle mich bestätigt. Die Film-Noir-Rache-Geschicte ist ein verdammt alter Hut, und so ein Film kann nur gelingen, wenn man die dünne, vorhersehbare Geschichte mit guten Schauwerten wieder ausgleicht (siehe „Sin City“) oder mehr ins Übernatürliche geht (was man ja sogar ein wenig versucht hat). Gegen Anfang dachte ich noch kurz (überraschender Weise, da der Trailer nun auch in der Hinsicht lediglich Mittelmäßiges versprach), dass man dies vielleicht sogar schafft. Die Off-Stimme ist zwar auch im Film-Noir-Bereich alles andere als innovativ, gehört aber nunmal zu „Max Payne“ – im Spiel war dies nämlich vermutlich eher einzigartig. Auch kurzes, rotes Aufflackern bei Schlägen ließ Einfallsreichtum hinsichtlich der Visualität erwarten. Doch schon nach 10 Minuten war das vorbei; keine Off-Stimme mehr, kaum unrealistische überstilisierte Sequenzen (wie der Anfang im Wasser – was meiner Meinung nach der bessere Weg gewesen wäre) und leider auch nicht ein Hauch von Story, Unerwartetem oder Spannung… oder wenigstens Action! Denn auch diese kommt überraschender Weise in dieser Spieleverfilmung recht kurz. Auch der berühmte Bullet-Time-Effekt war sehr selten – und in „Matrix“ deutlich eindrucksvoller. Was ich noch so im Kopf habe, lässt allerdings behaupten, dass man sich mit den Orten prinzipiell Mühe gegeben hat… zumindest hinsichtlich der Ähnlichkeit zu den Orten im Spiel. Da kam die gleiche Atmosphäre herüber. Tja, was soll man noch viel dazu sagen. Wer übringens Gewaltdarstellungen oder sowas erwartet, dem sei gesagt, dass es davon eigentlich noch nicht einmal einen Hauch gibt – mir fällt gerade nicht ein, wo auch nur ein Tropfen Blut zu sehen wäre – ungewöhnlich hinsichtlich eines Spiels, das indiziert worden ist. Die FSK-16-Freigabe ist also absolut lächerlich und vermutlich nur aus moralischen Gründen aufgrund von Verherrlichung von Drogen oder Selbstjustiz oder dergleichen zustande gekommen. Sicherlich hätte man aus dem Stoff einen besseren Film machen können, der entweder mehr übervisualisiert daherkommen – oder immerhin 08/15-Rache-Action bieten könnte. Aber die Szene nach dem Abspann lässt ja ein „Max Payne 2“ erwarten…
    Also Fazit: Nicht fatal schlecht, einfach nur unspektakulär und blass.

  3. Hmm…schade, ich hatte mich darauf gefreut…Sicherlich war die Spieltiefe nicht groß, denn es war ja auch „nur“ ein Thierd-Person-Shooter, aber als solcher hatte er eine tolle Atmosphäre und Story gehabt.

  4. Interessant, wie die äußeren Umstände eines Kinobesuchs auch das Urteil über den Film beeinflussen können. An dem Abend damals ist so einiges schief gelaufen und für mich war der Film dann auch ein Rohrkrepierer.

    Habe gestern den „Extended Director’s Cut“ gesehen, der zwar außer mehr Blut und Gewalt und ein paar unwichtigen kurzen Zusatzszenen nichts Neues bietet, aber er hat mir dieses Mal deutlich besser gefallen, gerade vom Stil her.

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