Welche Version von „Shining“ ist die beste?

Es ist immer schwer Bücher zu verfilmen, da man in der kurzen Laufzeit eines Films selten den kompletten Handlungsstrang und vor allem die Charaktertiefe der Personen so wie in der Vorlage umsetzen kann. Jemand, der also vorher das Buch gelesen hat, wird in den meisten Fällen von der Verfilmung enttäuscht sein. Ich habe das jetzt nachträglich erlebt, nachdem ich Stephen Kings „Shining“ endlich auch mal gelesen habe und danach absolut enttäuscht bin, was Stanley Kubrick 1980 daraus für eine unangemessene Verfilmung draus gemacht hat. Die TV-Fassung von 1997 leidet natürlich unter dem billigen Look von Fernsehfilmen, ist aber schon aufgrund der Nähe zum Buch um einiges besser gelungen.

Jack Nicholson gilt sicher als Paraderolle für den langsam verrückter werdenden Vater, aber verglichen mit der Buchvorlage ist er eigentlich am Anfang schon zu seltsam, eine wirkliche Wandlung geht ja gar nicht in ihm vor. Generell weicht Kubrick deutlich von der Vorlage ab, warum der Film sein Ende im Irrgarten findet, ist wohl am unverständlichsten. Der Vater ist einem von Anfang an unsympathisch, seine Bösartigkeit wird im Verlauf des Films immer schlimmer, eine wirkliche Entwicklung macht der Charakter aber nicht durch. Zudem nervt auf Dauer die Musik, 1980 mag der Film sicher sehr verstörend gewirkt haben, heute besticht er höchstens noch durch den speziellen Stil Kubricks.

Dass Stephen King selber 1997 als ausführender Produzent und Drehbuchautor für eine Neuauflage zur Verfügung stand, ist da nur nachvollziehbar. Der TV-Dreiteiler bekam zudem aufgrund seiner langen Laufzeit die Möglichkeit, auf alle wichtigen Aspekte und deutlich mehr Charaktertiefe einzugehen. Damit ist sie meiner Meinung nach um einiges lohnenswerter als der alte Kinofilm, auch wenn man überall das geringe Budget einer TV-Fassung sehen kann, auch speziell bei Computeranimationen. Wie schon bei „Es“, wo die TV-Verfilmung trotz ihrer Länge nicht mal ansatzweise die Buchvorlage repräsentieren kann, zerstören die billigen Animationen so manche Gruselsequenz, die sich bewegenden Heckentiere verlieren so genauso an Wirkung wie die Riesenspinne bei „Es“.

Die beste Version von „Shining“ bleibt somit auch wieder nur das Buch, das mir trotz Kenntnis beider Verfilmungen so manche unruhige Nacht beschert hat. Stephen King ist eben einfach ein genialer Autor, und mir wird immer mehr bewusst, dass man seine Geschichten eben doch nicht durch die Verfilmungen kennenlernen kann, man muss sie alle gelesen haben. Und „Shining“ ist da auf jeden Fall Pflichtlektüre!

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3 Kommentare

  1. Ich kenne das Buch und die TV-Verfilmung nicht und kann so nur sagen, dass ich Kubricks Version klasse finde! Auch wenn die Shining-Sache eigentlich nur nebensächlich erwähnt wird und auch sonst einiges nicht nachvollziehbar ist (insbesondere die letzte Einstellung von Nicholson auf dem Foto habe ich nie verstanden), ist dieser Film unglaublich atmosphärisch, intensiv und neben dem Exorzisten einer der wenigen älteren Filme, die ich nicht nur spannend, sondern auch wirklich unheimlich fand, als ich sie mir das erste Mal angesehen habe. Das Ende im Irrgarten ist ein toller Höhepunkt, auch wenn es etwas merkwürdig wirkt, dass Nicholson (der wirklich einfach nur großartig in der Rolle ist) da so schnell eineist.

    Dennoch frage ich mich schon die ganze Zeit, was zur Hölle Hecktiere sein könnten…

  2. Lustiger Zufall, dass ich gerade das Buch lese (die drei sind gerade im Hotel angekommen). Aber irgendwie glaube ich jetzt schon, dass es ein Fehler war, Jack Nicolson besetzt zu haben, da er ja eh verrückt ist. Wie King selbst hätte ich lieber einen „normalen“ gehabt, wie z. B. James Caan oder Paul Newman; so jemanden wäre wohl besser für die Rolle gewesen. Und das mit dem Bild am Ende habe ich ebenfals bis heute nicht verstanden. Gibt es vielleicht irgendwo eine erklärung dazu?

  3. Die TV-Fassung kenne ich nicht, kann dazu also auch schlecht etwas sagen. Die Kubrick-Verfilmung hat mir als Film gut gefallen. Sie ist allerdings ziemlich weit ab vom Buch und erfüllt damit nicht so recht die Vorgabe einer Romanverfilmung und ist dann für jemanden, der das Buch gelesen hat, enttäuschend. Der Beschreibung von „Pau“ kann ich mich da vorbehaltlos anschließen. Aber ich werde mir jetzt wohl doch mal die TV-Version vornehmen.

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