„Jack Ryan: Shadow Recruit“ – Unspektakuläre Neuauflage

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Der neue Jack-Ryan-Thriller ist für den Versuch, nach 12 Jahren den bekannten Analysten für das Kino zu reaktivieren, erstaunlich unspektakulär ausgefallen: wenig Action, wenig Handlung, wenig Komplexität. Mit der alten Figur hat der Film nicht mehr viel zu tun, hat man ihr eine völlig neue Geschichte verpasst. Die Schauspieler sind okay, Kenneth Branagh sogar ganz authentisch als russischer Gegenspieler. Allerdings sind die US-patriotischen Einlagen nicht nur ein wenig störend, sondern in Anbetracht der derzeitigen Spannungen zwischen dem Westen und Russland auch unangenehm brisant, geht es im Film trotz Ende des Kalten Krieges wieder um böse Russen.

Inhalt

Nachdem sein Hubschrauber in Afghanistan abgeschossen wurde, beschließt John Patrick „Jack“ Ryan (Chris Pine), sein Studium fortzusetzen und arbeitet für die CIA undercover als Analyst an der Wall Street. Dort stößt er auf Hinweise für einen Komplott des russischen Oligarchen Viktor Cherevin (Kenneth Branagh), die gesamte Finanzwelt des Westen in einer großen „zweiten Depression“ zusammenbrechen zu lassen. Sein CIA-Vertrauter Thomas Harper (Kevin Costner) schickt ihn daraufhin nach Moskau, um der Sache auf den Grund zu gehen. Dort muss er sich nicht nur mit der Gefährlichkeit der Situation, sondern auch mit seiner Freundin Cathy Muller (Keira Knightley) auseinandersetzen, die von seinen CIA-Aktivitäten nichts weiß und ihm unwissend nach Moskau folgt …

Rezension

Da ist er nun also, der Wiederbelebungsversuch des berühmten CIA-Agenten, der nach Alec Baldwin, Harrison Ford (2x) und Ben Affleck nun von Chris Pine in einem Reboot verkörpert wird, das erstmals auf keinem Roman vom erst kürzlich verstorbenen Bestseller-Autoren Tom Clancy beruht, sondern dem Agenten eine neue Geschichte und einen neuen Lebenslauf verpasst.

Dass der Film trotz vieler Drehbuch-Überarbeitungen nur 105 Minuten dauert, scheint bereits darauf hinzuweisen, dass man nicht so recht wusste, was man mit der Titelfigur machen sollte. Wenn man dann erfährt, dass ein bereits fertiges Drehbuch über einen CIA-Analysten erst nachträglich auf den zugkräftigeren Namen Jack Ryan umgemünzt wurde, passt das ins Bild: Es scheint nicht wirklich so, als wenn man Ryan eine neue Identität geben wollte, sondern als wenn ein CIA-Analyst zufällig den Namen Jack Ryan trägt.

Chris Pine macht seine Sache dabei durchaus solide, das Gleiche gilt für Kevin Costner und Keira Knightley. Sie alle fallen nicht negativ auf, können aber auch nicht wirklich glänzen. Kenneth Branagh, der neben dem Regieposten auch eine Hauptrolle verkörpert, überrascht schon eher und kann überzeugend als russischer Oligarch den Widersacher-Part des Films übernehmen und hat Ausstrahlung.

Darüber hinaus ist der Film von und mit Kenneth Branagh überraschend lahm. Es dauert ca. eine halbe Stunde, bis sich überhaupt ein Plot andeutet. Dieser wird dann auch sehr geradlinig weiterverfolgt, bis dann schließlich zum Ende hin auch noch ein wenig Action präsentiert wird. Ein spektakulärer Neuanfang sieht anders aus; der wenig fesselnde Trailer entspricht dem Film schon ganz gut.

Dabei ist die Geschichte ganz entgegen der Tradition wenig komplex und einige aus dem Nichts gezauberte Kombinierungsfähigkeiten von Ryan oder die absolut unglaubhafte Handhabung seiner Freundin in Bezug auf die höchstgefährliche Situation wirken schon ziemlich hanebüchen. Wenn Ryan sich zum Schluss im Sekundentakt jegliche Verbindungen in Bezug auf einen Terroranschlag zusammenreimen kann, ist das hochgradig lächerlich; Analyst hin oder her. Viel zu oft hat man das Gefühl, dass die Ereignisse im Film so passieren, weil das Drehbuch es will, und nicht, weil es Sinn macht.

Der Film sieht technisch durchaus gut aus. Die verhältnismäßig gering vorhandene Action ist eher der Kategorie „schnell und hart“ zuzuordnen und kann ein intensives Mann-gegen-Mann-Handgemenge bieten, ist aber in den Verfolgungsjagden zum Teil auch ein wenig unübersichtlich.

Dass dabei trotz dem (vermeintlich) hinter uns liegenden Kalten Krieg, mit dem sowohl Jack Ryan als auch James Bond lange in enger Verbindung standen, wieder die Russen die Bösen sind, mag angesichts der aktuellen Ereignisse weitaus politischer erscheinen, als es die Macher vermutlich beim Drehbuchschreiben des fast ausschließlich in Moskau spielenden Films beabsichtigt hatten. Nicht nur ist es ein russischer Oligarch, der die Finanzwelt des Westens bedroht, nein, seine Handlungen sind auch noch vom Kreml (natürlich inoffiziell) abgesegnet und die angesprochene Gefahr des Gas-Monopols Russlands in Europa stellt eine geradezu erschreckende Parallele zur aktuellen Ukraine-Krise dar.

Gerade deshalb wirken die US-patriotischen Szenen schon ein wenig propagandistisch, wenngleich vielleicht ursprünglich weniger beabsichtigt. So bricht Jack Ryan gleich zu Beginn sein Studium aufgrund der Ereignisse des 11. Septembers ab, um für sein Land in Afghanistan zu dienen und auch das angedeutete Treffen mit dem US-Präsidenten trieft geradezu vor Ehrfurcht. Der Begriff „Vaterland“ ist zwar zum Glück in Deutschland nicht mehr im aktiven Wortschatz, scheint aber neben natürlich Russland auch in Amerika nach wie vor erschreckend präsent zu sein.

So inszeniert Kenneth Branagh einen passablen Thriller, der unterhalten kann, aber nicht zuletzt durch die langatmige Erzählweise und die geradlinige Handlung, die auch noch zum Teil ziemlich an den Haaren herbeigezogen wirkt, eher im Mittelmaß bleibt.

Fazit

Alles in allem ist „Jack Ryan: Shadow Recruit“ ein nur mittelmäßig spannender Neustart für die berühmte Clancy-Figur. Der Film ist ein solider Thriller, der gut aussieht, aber weder in Sachen Action und erst recht nicht in der Handlung überzeugen kann. Chris Pine ist eine von Grund auf solide Besetzung, für den Rest des Casts gilt das ebenfalls. Ein Film, den man sich mal ansehen kann, der aber in keiner Hinsicht beeindrucken kann. Als furioser Neustart einer Kultfigur ist dies nicht zu bezeichnen.

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