„Ready Player One“ – Spielbergs bunte Nerd-Nostalgie-Effekt-Orgie!

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Steven Spielberg ist sicher einer der bedeutendsten Regisseure der 80er und hat nicht zuletzt die Popkultur ins Kino gebracht. Nachdem seine letzten Blockbuster „Indiana Jones 4“ sowie „Tim und Struppi“ in keiner Form an seine kultigen Erfolge aus den 80ern anknüpfen konnten, konzentrierte sich der Regisseur mehr auf historisch und politisch motivierte Filme wie „Lincoln“, „Bridge of Spies“ und zuletzt „Die Verlegerin“, eine Rückkehr zu seiner alten Qualität schien unwahrscheinlich. Mit „Ready Player One“ kehrt Spielberg jetzt allerdings nicht nur mit lautem Knall in die Welt des Popcornkinos zurück, er verfilmte dafür zudem eine Romanvorlage, die sich zentral eben genau um die Popkultur der 80er dreht. Während ich am Anfang noch skeptisch war, ob mich der größtenteils animierte Film tatsächlich seinen Bann ziehen würde, war ich bald voll drin in der wilden Achterbahnfahrt. Denn „Ready Player One“ bietet nicht nur das gute alte „Jugendliche und Bösewichte auf rasanter Schatzjagd“-Thema, der Film ist dermaßen voll von Anspielungen auf die Film-, Musik- und Computerspielwelt der 80er, dass man sicher noch beim dritten Mal neue Anspielungen und Charaktere erkennen würde. Endlich mal wieder gelungenes Spielberg-Popcornkino!

Inhalt

Ready Player OneDie Menschen im Jahr 2045 verbringen die meiste Zeit nicht mehr in der heruntergekommen realen Welt, sondern in einer bunten virtuellen Welt ohne Grenzen, der OASIS. Seit der geniale Entwickler James Halliday (Mark Rylance) verstorben ist, suchen alle nach drei Schlüsseln und einem besonderen Easter Egg in der OASIS, denn der Finder soll die uneingeschränkte Kontrolle über die virtuelle Welt erhalten. Während versierte Jugendliche wie Wade (Tye Sheridan) und Samatha (Olivia Cooke) mit ihrem Nerdwissen und ihren spielerischen Fähigkeiten die Rätsel zu lösen versuchen, sind für den skrupellosen Unternehmer Nolan Sorrento (Ben Mendelsohn) zahllose Mitarbeiter in der OASIS unterwegs, denn er will sich das weltweit größte Wirtschaftsobjekt unbedingt unter den Nagel reißen. Als Wade und seine Freunde dem Ziel langsam näher kommen, sind Sorrento in der virtuellen und auch in der realen Welt alle Mittel recht, um seine Konkurrenz unschädlich zu machen. Doch Wade hat ihm etwas voraus: Er verfügt über das größte Wissen über die für den Entwickler sehr wichtige Popkultur der 80er.

Review

Ich kenne die Vorlage nicht, aber ich finde es fast schon schade, dass Steven Spielberg bewusst auf die vielen Anspielungen auf seine eigenen Werke verzichtet hat, die doch so einen großen Anteil an der Kinowelt der 80er ausmachen. Und doch kommt man bei diesen abgedrehten Nostalgietrip nicht nur als extremer Nerd auf seine Kosten, auch wenn ich zugeben muss, dass ich vermutlich nur einen kleinen Teil der Anspielungen auf Filme, Computerspiele und Musik wirklich erkannt habe und wohl auch nur einen Bruchteil der dieser Welt entspringenden Charaktere, die in der OASIS als Avatare aktiv sind, erkannt habe. Wenn aber der DeLorean aus „Zurück in die Zukunft“ Rennen fährt, dabei vom T-Rex aus „Jurassic Park“ und von „King Kong“ angegriffen wird, während man dank einer wirklich atemberaubenden Kamerafahrt das Gefühl bekommt, mit im Auto zu sitzen, dann ist das schon ganz großes Kino.

Für mich war der animierte Stil am Anfang etwas störend, doch wenn man sich damit arrangiert, dass hier keine animiert aussehenden Effekte eine reale Welt suggerieren sollen, sondern das Geschehen tatsächlich in einer virtuellen Welt spielt und die Spezialeffekte wirklich gelungen sind, kann man sich einfach treiben lassen. Am meisten Spaß hat man natürlich, wenn man mit Dialogen zu „Ferris macht blau“ oder Tanzanlehnungen aus „Nur Samstag Nacht“ tatsächlich den Nostalgiekick bekommt, der vermutlich seinen Höhepunkt erreicht, wenn die Handlung für einen Spiellevel mitten in einen Filmklassiker nach Horrorking Stephen King verlegt wird, der auch am besten funktioniert, wenn man weiß, welche Orte die teilweise unwissenden Protagonisten lieber nicht betreten sollten. Wer bisher geglaubt hat, dass „The LEGO Movie“ das Maximum netter Cameos, Referenzen und Anspielungen war, der erreicht auch in der Hinsicht bei diesem Film einen ganz neuen Level.

Was Spielberg zudem gelingt, ist eine Rückkehr zu einer angenehmen Oberflächlichkeit, die schon damals seine Film auszeichneten. Wer böse ist und wer zu den Guten gehört, ist schnell geklärt, wirklich überraschende Wechsel von Gut zu Böse gibt es nicht. Zudem ist es der alte Konflikt zwischen den Erwachsenen und den Jugendlichen, die beide das gleiche Zeil verfolgen, aber aus völlig unterschiedlichen Beweggründen. Und auch, wenn es im Laufe der Handlung auch Opfer gibt, verzichtet der Film komplett auf realistische Gewalt und Blut, was heutzutage schon erwähnenswert ist. Wer früher selber Stunden am Rechner verbracht hat, um durch das Lösen von Rätseln die nächsten Level zu erreichen und sich über so manches Easter Egg zu freuen, der kann der wilden Schnitzeljagd durch die virtuellen Anleihen aus der Popkultur am meisten abgewinnen.

Auch der Cast funktioniert gut, selbst wenn man diesen zu einem Großteil nur in Form ihrer Avatare zu sehen bekommt. Ben Mendelsohn war schon in „Rogue One“ ein guter Bösewicht, das funktioniert auch hier. Eine echte Bereicherung sind aber die Newcomer Tye Sheridan und Olivia Cooke, die glücklicherweise noch recht unverbraucht und auf keine andere Rolle festgelegt performen können. Auch der restliche Cast spielt als für den früheren Spielberg typische Mischung aus Außenseitern super, wobei man schauspielerische Fähigkeiten nur bedingt beurteilen kann, wenn man die Personen größtenteils nur in einer animierten Version durch abgedrehte Computerspiellevel flitzen sieht.

Trotz des schlichten Stils auf der einen Seite ist die Kritik an der Abhängigkeit der Gesellschaft von digitalen Medien auf der anderen Seite ganz klar spürbar. Allerdings verschwimmt die Botschaft, seine Zeit lieber mehr in der realen Welt zu verbringen, wie trostlos sie auch sein mag, wenn man im Vergleich die unfassbaren Möglichkeiten der OASIS vor Augen geführt bekommt. Wenn aber jemand sein ganzes Vermögen in der OASIS verzockt oder ein anderer sich nach seinem Tod in der OASIS völlig abwesend fast selber aus dem Fenster stürzt, ist die Botschaft schon klar.

Letztendlich ist „Ready Player One“ aber ganz klar kein intellektueller Film, sondern ganz bewusstes Popcornkino, dass alle Kinobesucher mit auf eine ganz besondere Schatzsuche nimmt, an der mal eben viele Helden aus Kino-, Comic- und Computerwelt teilnehmen und die mit einem herrlichen Soundtrack voller Hits aus den 80ern und einem unverkennbaren Score von „Zurück in die Zukunft“-Komponist Alan Silvestri garniert wurde. Kopf aus, Zeitmaschine an und ran an den Joystick für eine wilde Jagd durch bunte Computerlevel zum gut versteckten Easter Egg!

Fazit

Steven Spielberg kehrt endlich zu seinen Wurzeln zurück und nimmt einen nicht nur auf eine kurzweilige, effekt- und actiongeladene Reise voller Referenzen aus den 80ern mit, er erweist sich als Mitbegründer des Popcornkinos auch als genau der richtige Regisseur für die Verfilmung des Kultromans.

Bildergalerie

Ready Player One

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