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Jede Woche veranstalten TOM und ich den “Mittwoch ohne Niveau” und lassen uns von Filmen ohne großen Tiefgang und mit sehr plattem Humor unterhalten. Daher hat Will Ferrell auch einen großen Stellenwert bei uns. Als in der Lübecker Sneak Preview gestern leider nicht “WALL.E” sondern “Die Stiefbrüder” lief, hatten wir uns im ersten Moment noch auf einen “Montag ohne Niveau” gefreut, doch was dann kam, war so schlecht, dass nicht mal wir unseren Verstand so weit drosseln konnten, um noch zu lachen.

Brennan (Will Ferrell) ist 39, wohnt noch bei seiner Mutter (Mary Steenburgen) und bekommt im Leben nichts gebacken, Dale (John C. Reilly) ist ebenfalls 40, wohnt noch bei seinem Vater (Richard Jenkins) und bekommt ebenfalls sein Leben nicht auf die Reihe. Als ihre Eltern heiraten und zusammen ziehen, müssen sich die Stiefbrüder ein Zimmer teilen. Aus anfänglichen Kämpfen wird bald eine große Freundschaft, schließlich sind sie sich so ähnlich. Doch dann kommt es zum Familienkrach und alle gehen ihrer Wege…

Dieser Film basiert nur auf dem einzigen Witz “Zwei Männer benehmen sich wie Kinder”. Da dieser schon nach kurzer Zeit nicht mehr lustig ist, aber in tausend Formen neu dargeboten wird, hat man sich noch einige Szenen von so unterirdischem Niveau einfallen lassen, die auch das letzte Stück Humor elendigst aus dem Film vertreiben. Niemand will einen Hodensack auf einem Schlagzeug sehen oder eine Großaufnahme, wie jemand weiße Hundescheiße fressen muss. Setzt man diese Niveaulosigkeit nicht in Szene, kommt sie trotzdem noch geballt verbal daher. Das ist nicht mehr lustig, das ist nur noch peinlich!

Will Ferrell hatte schon immer einen recht derben Humor, aber der funktionierte immer gut, wenn er als Nebencharakter auftrat wie in “Zoolander”, “Starsky & Hutch”, “Die Hochzeits-Crasher” oder “The Producers”. Hauptrollen wie bei “Ricky Bobby” oder “Anchorman” waren nie so von Erfolg gekröhnt. Mit seiner Rolle in “Schräger als Fiktion” konnte sich Ferrell ja sogar etwas von seinem Klamaukimage entfernen, aber wenn man bedenkt, dass er bei diesem Film auch maßgeblich am Drehbuch beteiligt war, sinkt er dann doch auch bei bisherigen Fans ganz schön in der Achtung.

Für mich hat die Sneak Preview durch diesen Film erstmal einen Knacks weg. Nicht alleine wegen der Auswahl, sondern wegen des Publikums, dass bei jeder Entgleisung des Films oder bei der ständigen Verwendung der Worte “Penis” oder “Vagina” so brüllend lachen musste, dass ich echt nur noch den Saal verlassen wollte. Ich hatte erwartet, dass Besucher der Sneak Preview auf besondere Filme stehen, aber offensichtlich war dieser für uns eindeutige Tiefpunkt eines tollen Sneak Jahres für die anderen Besucher ein großes Highlight. Sollten die Zuschauer nach diesem Film auch noch gute Kritiken abgegeben haben, sehe ich schwarz für die Zukunft der Sneak. Sollten tolle Independent-Filme, die ich sonst vermutlich verpasst hätte, in Zukunft peinlichen Komödien weichen, werde ich die Sneak wohl nicht wieder besuchen.

Und ich möchte noch einmal betonen, dass ich kein Spießer bin und mich auch bei einer Komödie fallen lassen und über sehr stumpfsinnigen Humor freuen kann, aber die Komödien von heute bringen wirklich nur noch Humor mit der Brechstange, originelle Witze und böser, schwarzer Humor sind anscheinend out. Schade…

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