„Bright“ – Will Smith als Cop zwischen Orks und Elfen!

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Der mit 100 Millionen Dollar bisher teuerste Netflix-Film wurde zwar in den ersten Tagen extrem oft aufgerufen, doch die Meinungen gehen sehr weit auseinander. Während Kritiker den Copfilm, der in einer alternativen Realität spielt, in der Menschen zusammen mit Fantasiewesen wie Orks, Elfen und Feen leben, fast durchweg durchfallen lassen, ist er bei den Zuschauern relativ beliebt. Woran liegt das? Grundsätzlich ist nicht nur das Szenario interessant, auch wurde die Parallelwelt sehr gut umgesetzt, sodass man schnell in die Handlung eintauchen kann. Die Handlung ist rasant und grundsätzlich auch spannend, zudem wird das Szenario dafür genutzt, um konkret auf Themen wie Rassismus, Korruption oder Konflikte zwischen den Gesellschaftsschichten einzugehen. Doch gerade da fangen die Probleme bereits an, denn diese Themen werden einem zu übertrieben unter die Nase gerieben, auf der anderen Seite werden die Orks durchweg als Ghettobrutalos dargestellt, was die Grundbotschaft fast schon lächerlich wirken lässt. Zudem werden die meisten Charaktere und ihre Intentionen überhaupt nicht näher erläutert, so wird der Film nach kurzer Zeit zu einer zwar rasanten Verfolgungsjagd, die auf den zweiten Blick aber doch recht konzeptlos daherkommt.

Inhalt

Der Polizist Daryl Ward (Will Smith) hat nicht nur das Problem, dass Cops von niemandem gemocht werden, weder von den Menschen, noch von der Oberschicht der Elben, und schon gar nicht von der Unterschicht der Orks. Ward muss sich auch noch mit seinem neuen Partner Nick Jakoby (Joel Edgerton) arrangieren, denn der erste Cop aus den Reihen der Orks wird nicht nur von seinen Kollegen nur mit Abscheu betrachtet, auch seinesgleichen sieht ihn als Verräter, was auch Wards Leben nicht gerade sicherer macht. Als die beiden bei einer Untersuchung jedoch auf einen magischen Zauberstab und die mysteriöse Elfe Tikka (Lucy Fry) treffen, sind ihnen plötzlich alle auf den Fersen. Die beiden müssen nun nicht nur ihr eigenes Leben retten, sondern auch verhindern, dass der Zauberstab in die falschen Hände gerät, schon gar nicht zurück in die der brutalen Elbin Liela (Noomi Rapace), die damit ein böses Wesen aus der Vergangenheit beschwören will.

Review

Vielleicht ist es der Schritt in die richtige Richtung, dass Will Smith hier endlich mal einen nicht durchweg sauberen Charakter spielt, auch wenn dieser im Vergleich zu den Sausäcken drumherum unterm Strich doch wieder als einer der Guten durchgeht. Nach nicht gerade überzeugenden Filmen wie in „After Earth“, „Verborgene Schönheit“ oder „Suicide Squad“ braucht der ehemalige Topstar dringend wieder einen Erfolg, um sich zu rehabilitieren. Da könnte ein etwas vielschichtiger Charakter nicht schaden, zudem hat Smith hier mal wieder die Möglichkeit, wie zu seinen besten „Independence Day“-Zeiten mal wieder richtig die Sau raus zu lassen. Seinen Fans dürfte das gefallen und die Kritiker scheinen sich hier auch eher auf die Handlung als auf die Darsteller einzuschießen.

Fangen wir aber erst mit der gelungenen Parallelwelt an. Die ist auf den ersten Blick gar nicht so anders als unsere, würden die Menschen nicht zusammen mit Orks und Elben leben. Die unterscheiden sich aber gar nicht unbedingt durch spezielle fantastische Fähigkeiten, unterm Strich sind sie sich sogar recht ähnlich, den Orks hängt bloß immer noch ein Jahrtausende zurückliegender Konflikt an den Hacken, weshalb sie von allen als böser Abschaum gesehen werden, die Elben hingegen stellen die Elite dar, die das meiste Geld besitzen und so auch die Politik und Gesellschaft dominieren. Keiner mag sich, jede Klasse blickt abwertend auf die nächste Schicht herab. Gar nicht so fremd? Klar, durch die Aufteilung in die verschiedenen Völker werden Themen wie Rassismus und Ungleichheiten in den Bevölkerungsschichten ziemlich direkt gezeigt, auch wenn die Realität bei uns gar nicht so anders aussieht. Doch der Film schafft es eben gerade durch diese Überzeichnung nicht, wirklich gesellschaftskritisch zu sein. Zu sehr schwebt der erhobene Zeigefinger über dem ganzen Plot und letztendlich werden die einzelnen Völker dermaßen überzeichnet, dass man die Reibereien zwischen allen fast schon als logisch sieht, hier ist eine Verständigung tatsächlich nicht so leicht möglich. Besonders die Darstellung der Orks als grobschlächtige, nicht besonders intelligente Fettklopse mit Ghettoklamotten, die durch den Film bewusst in ein bestimmtes Klischee gepresst werden, könnte man schon fast selber wieder als rassistich ansehen, vor allem, wenn ein Film sich so ganz offensichtlich als kritisch verstanden sehen will.

Wirklich interessant ist eigentlich nur der Charakter des Ork-Cops, der tatsächlich herzensgut aber etwas naiv daherkommt, wirklich die Grenzen aller Schichten und Konfessionen zu überschreiten versucht und statt Unterstützung von allen Seiten nur Widerstand und Abscheu erntet. Wie er trotz allen Hürden trotzdem versucht, seinen Job richtig zu machen und trotzdem seine eigene Rasse nicht verraten, ist der große Pluspunkt des Films. Will Smith ist somit schon fast nur noch das typische Gegenüber, um aus „Bright“ einen Buddy-Film machen zu können. In der Hinsicht funktionieren die beiden unterschiedlichen Charaktere natürlich perfekt. Was man von fast allen anderen Charakteren nicht sagen kann, die Cops scheinen alle korrupte Schweine zu sein, das „Magie-FBI“ um Schauspieler Édgar Ramírez scheint unterm Strich wohl der guten Sache zu dienen, wirklich klar wird das aber nicht. Daher wird die fiese Kombo um Killerelbin Noomi Rapace auch so brutal dargestellt, damit die wirklich Bösen zwischen all den fiesen Gesellen eindeutig erkennbar ist. Trotz ein paar dürftigen Erklärungen wird einem nicht wirklich klar, was hinter ihren Beweggründen steckt, wer der „Dunkle Lord“ ist, den sie beschwören will und warum überhaupt.

Dass der Film von „Suicide Squad“-Regisseur David Ayer beim (nicht zwingend kritischen) Publikum gut ankommt, ist nicht verwunderlich. Will Smith ist immer noch der beliebte „Prinz von Bel-Air“, der endlich wieder wie zu seinen besten Zeiten ballern, rennen und schnacken darf. Buddy-Cop-Filme kommen immer gut an, hier werden dann auch noch schön ein paar Elemente aus „Harry Potter“ und „Herr der Ringe“ mit eingebastelt, fertig ist das publikumstaugliche Gemisch. Und da die Gesellschaftskritik zu plump auf dem Präsentierteller serviert wird, glaubt natürlich jeder noch, einen anspruchsvollen Actionfilm zu sehen. Wie man an den Reaktionen sehen kann, geht diese Gleichung auch perfekt auf. Auch ist es krass, wie die „bösen“ Kritiker gleich in den Fokus geraten, weil sie sich nicht von der Fassade einlullen lassen, sondern direkt auf die nicht zu übersehenden Schwachpunkte konzentrieren. Ich wurde von „Bright“ ganz klar unterhalten, aber eben bei weitem nicht so, wie die Fans es sich gerne einreden wollen. Warten wir mal ab, ob die bereits geplante Fortsetzung mehr aus dem guten Grundkonzept macht.

Fazit

Obwohl Will Smith mal nicht die schlechteste Figur macht und das Grundkonzept über die Parallelwelt mit Fantasiewesen in unserer Gesellschaft auch wirkliches Potential bietet, sind Logiklöcher und zu sehr mit dem Holzhammer präsentierte Gesellschaftskritik dafür ausschlaggebend, dass es der actionreiche Copfilm unterm Strich nicht in die Riege der wirklich guten Filme schafft.

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