„Jurassic World 2: Das gefallene Königreich“ – Ultrageile Dino-Action!

nur miesschlechtfast mittelmäßigmittelmäßigfast gutgutfast sehr gutsehr gutfast einzigartigfast einzigartig   7,40 (5 Stimmen)
Loading...

Für mich wird „Jurassic Park“ immer einer der besten Filme aller Zeiten bleiben, entsprechend enttäuscht war ich davon, dass der Reboot mit „Jurassic World“ nur bedingt gelungen war. Was aber „Sieben Minuten nach Mitternacht“-Regisseur J.A. Bayona aus der Fortsetzung rausgeholt hat, hätte selbst ich niemals erwartet. „Jurassic World 2“ ist ein bildgewaltiges Dino-Highlight, bei dem neben krasser Action, extremem Horror und nervenraubender Spannung auch Humor und Emotionen nicht zu kurz kommen. Am beeindruckendsten ist aber die Kameraarbeit, hier merkt man eben doch, ob ein Regisseur inszenieren kann oder nicht. Auch die Effekte sind rundum gelungen, so echt haben Dinosaurier noch nie auf der großen Leinwand ausgesehen. Einfach atemberaubend – in jeder Form! Für mich nach „Jurassic Park“ ganz klar der zweitbeste Film der ganzen Reihe!

Inhalt

Ein paar Jahre nach dem Untergang des neuen Dino-Themenparks sind die überlebenden Dinosaurier erneut vom Aussterben bedroht, denn der Vulkan auf der Isla Nublar droht auszubrechen und alles Leben dort auszulöschen. Benjamin Lockwood (James Cromwell), der einst mit John Hammond den ersten Jurassic Park ins Leben rief, und Eli Mills (Rafe Spall) engagieren Claire Dearing (Bryce Dallas Howard) und Owen Grady (Chris Pratt) für eine riskante Rettungsaktion: Man will versuchen, so viele Saurier wie möglich zu retten und auf einer anderen Insel anzusiedeln, Owen soll vor allem helfen, den Raptor Blue zu fangen, den er einst dressiert hat. Doch während der Rettungsaktion kommen Claire und Owen immer mehr Zweifel, ob man ihnen den wahren Grund für die Rettungsaktion gesagt hat.

Review

Schon die Eröffnungssequenz zeigt, dass man sich auf etwas Neues im Franchise gefasst machen musst, düster und überraschend, mit bombastischem Ton und beeindruckenden Einstellungen und Kamerafahrten wird man sofort abgeholt. Irgendwie kennt man es schon, wenn auf einer dunklen Insel Dinos lauern und Menschen fressen, aber hier läuft es eben nicht nach Schema F ab. Diese Stärke behält der Film bis zum Ende bei, mitunter auf einem Horrorlevel, den das Franchise so noch nicht gesehen hat. Gleichzeitig wird die Gewalt nie zelebriert, die Kamera hält bewusst nicht direkt drauf, wenn wieder ein Mensch zerfleischt wird, denn darum geht es in dem Film nicht. Regisseur J.A. Bayona, eher bekannt für unscheinbare aber brillante Filme wie „Das Waisenhaus“ oder „The Impossible“, weiß ganz genau, wie er die Zuschauer auf Trab hält und wie man sowohl Action als auch Spannung richtig in Szene setzt. Bevor am Ende erwartungsgemäß die Hölle losbricht, bietet der Film eine grandiose Mischung aus spannender Action und immer wieder ruhigen Momenten, die durch erstaunlich gute Humoreinlagen unterstützt werden. Chris Pratt darf seine Rolle als prolliger, cooler Superheld mit losem Mundwerk grandios ausleben, ohne dem Film zu schaden. Auch Bryce Dallas Howard kommt deutlich gelöster und freier daher und darf hier deutlich mehr reißen als im ersten Teil. Auch die Neuzugänge Justice Smith als nerdiger Computerfreak Franklin Webb und Daniella Pineda als engagierte Tierärtin Zia Rodriguez fügen sich gut in die Reihe der Guten ein und bereichern die Handlung. Diese ist ebenfalls interessant und voller neuer Ideen, zugleich stellt sie ein grandioses Bindeglied zwischen dem ersten Teil und dem Szenario dar, das hier bereits vorbereitet wird und eine Menge Potential für einen tollen dritten Teil bietet. Wie der Plot um die von Isabella Sermon gespielte Maisie Lockwood noch weiter ausgespielt wird, muss man schauen, trotz Gekreische und kindlicher Anwandlungen nervt sie aber nicht so sehr wie die meisten anderen überzeichneten Kinder im Franchise.

Auch „Jurassic World 2“ bedient sich gerne kleiner Hommage-Elemente und holt sogar, wenn auch recht unspektakulär, Jeff Goldblum als den Chaosmethematiker Dr. Ian Malcolm zurück. Aber im Gegensatz zum letzten Film sieht man, dass J.A. Bayona voraus und nicht zurück schauen will. So gibt es sicher einiges, was man schon kennt, aber trotzdem schlägt der Film eine neue Richtung ein, und das ist gut so. Der Film geht absolut in die Vollen, aber ohne billige Effekthascherei oder vorhersagbare Standardmomente, immer wieder gibt es diese kleine Wendung, die man dann doch nicht hat kommen sehen. Und was das Herz eines Dinofans besonders hoch schlagen lässt, ist die Menge an Dinosorten, die der Film zu bieten hat, neben den alten Bekannten kommen hier ständig neue Arten ins Bild, Pflanzen- und Fleischfresser. Und die sind optisch wirklich gelungen, hier sieht man kein CGI, diese Dinos sind echt! Aber auch wenn der Vulkan sich über die Insel ergießt und aus der Unterwasserperspektive Dinosaurier ins Meer stürzen, so sind das beeindruckende Aufnahmen, wie man sie noch nie zuvor gesehen hat.

Auch die Tatsache, dass man hier wieder einen neuen Megabösesaurus ins Rennen wirft, wird interessanter inszeniert als beim Vorgänger. Der „Indoraptor“ sieht deutlich cooler aus als der „Indominus Rex“, wird aber nicht so ins Zentrum gesetzt. Er bekommt zwar am Ende sehr viel Screentime, die aber nicht in erster Linie der Inszenierung des Sauriers selbst dient, sondern die Basis für einen wirklich spannenden und gruseligen Showdown bietet. Natürlich kommt auch der T-Rex nicht zu kurz, ist aber eher ein Nebendarsteller.

Wenn ich wirklich Kritikpunkte suchen soll, dann wären es beispielsweise die etwas enttäuschenden Schwarz-Weiß-Charaktere. Hier ist Gut und Böse schnell definiert, wirkliche Seitenwechsel gibt es nicht und am Ende bekommen die Bösen, was sie verdienen. Genauso hat Raptor „Blue“ hier größtenteils seinen Horrorfaktor verloren und wird zu sehr als der Zögling von Owen inszeniert. Am schlimmsten ist aber der Moment, wenn die Saurier versteigert werden sollen und Summen von 20 Millionen als großer Deal angesehen werden. Bei den Summen, die bei dem Park im Hintergrund geflossen sein dürften und die wohl tatsächlich für die letzten lebenden Dinosaurier gezahlt werden würde, fehlen hier wohl ein paar Nullen. Aber diese kleinen Ausrutscher kann man gerne verzeihen, da der Film ansonsten so großartig in Szene gesetzt wurde.

Gerade wenn man erkennt, wie viel besser, spannener und ansehnlicher J.A. Bayona als sein Vorgänger Colin Trevorrow eine Dino-Horror-Handlung umzusetzen vermag, kann man nur den Kopf schütteln, dass Trevorrow für den dritten Teil von „Jurassic World“ in den Regiestuhl zurückkehren soll. Hoffen wir mal, dass er sich hier ein wenig abguckt, denn Potential hat der dritte Teil bei der Vorlage auf jeden Fall.

Fazit

„Jurassic World 2“ ist ganz großes Unterhaltungskino, dass einen nicht nur mit wilden Actionszenen durchschüttelt und durch spannende Horrormomente jagt, hier und da kann man auch mal schmunzeln. Wirklich abheben tut sich der Film von den anderen Filmen des Franchise aber durch seine geniale Inszenierung, die beeindruckende Kameraführung und den bombastischen Ton. Ein Film, der ganz klar auf der großen Leinwand erlebt werden muss.

Bildergalerie


Verwandte Artikel

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.